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Ghost Of A Chance

Interview von: arne mit Tobias Heiland, am: 31.08.2010 ]

Die Zeiten bei A Sailors Grave und Proud Youth waren für Tobias Heiland ungleich heftiger und lautstarker. Leidenschaftlich und authentisch ist er aber auch im Kontext seines Solo-Outlets GHOST OF A CHANCE unterwegs. Seit drei Jahren bestimmen gefühlvolle, eindringliche Sounds zwischen Singer/Songwriter, Americana, Folk und Blues sein kreatives Schaffen. Häufig werden die Stücke des Debüt-Albums „And Miles To Go Before I Sleep“ allein mit Gitarre und Stimme entwickelt.

 

Musicscan: And Miles To Go Before I Sleep ist erst vor ein paar Tagen veröffentlicht worden. Beschreibe doch bitte mal das bisherige mediale Feedback, das Du auf die Platte hin erhaltenen hast. Deckt sich das Ergebnis in etwa mit dem, was Du Dir erhofft hast oder bist Du sogar noch überrascht worden?

Ghost Of A Chance: Also, bisher ist das mediale Feedback ziemlich divers, zumindest sehe ich das so, aber insgesamt gibt es schon eine Tendenz zum positiven, was mich auf jeden Fall sehr freut. Es gibt einige Kritikpunkte am Album, aber es hätte mich schon sehr überrascht wenn das nicht so gewesen wäre. Aber insgesamt bin ich wirklich sehr zufrieden, und finde es ist echt fair ausgefallen.

Musicscan: Ist Dir mediales Feedback überhaupt wichtig, achtest Du darauf, was über Ghost Of A Chance und das Album geschrieben wird oder ist Dir das weitgehend egal? Nur mal hypothetisch: Würdest Du vermehrt aufkommende Kritik vielleicht sogar als Auslöser für eine dezente Stilkorrektur aufgreifen?

Ghost Of A Chance: Naja, um ganz ehrlich zu sein, natürlich bedeutet es mir unendlich mehr was meine Freunde und die Leute die auf die Konzerte kommen über die Musik denken. Egal ist es mir aber auf gar keinen Fall, so kaltschnäuzig bin ich nicht. Es steckt immerhin hinter jeder Rezension die Meinung des Autors, alleine schon deswegen ist es mir wichtig zu lesen was über das Album und meine Musik geschrieben wird. Aber auch was die Kritik angeht sehe ich das so: es ist die Meinung des Autors, und auch wenn sie mich definitiv interessieren mag, soweit dass ich meinen musikalischen Stil ändern würde, wird mich Kritik auf keinen Fall beeinflussen.

Musicscan: Die bestechenden Merkmale der Platte sind meiner Ansicht nach ihre natürliche Emotionalität/Authentizität und ihre Klischeelosigkeit. Wo andere Bands und Künstler auf „große Gesten“ und Pathos setzen, bleibt Du bescheiden, defensiv und auf einem persönlichen Level. Spielt es im Songwriting eine Rolle, gängige Klischees zu vermeiden und die Natürlichkeit über alles zu stellen?

Ghost Of A Chance: Ich versuche auf jeden Fall in meinen Songs darauf zu achten, dass sie möglichst authentisch sind, und auch wenn das schon fast wie ein Klischee klingen mag, aus dem Bauch kommen. Beim Schreiben ist es definitiv mein Hauptanliegen ein Gefühl oder Erlebnis auszudrücken, sowohl textlich als auch musikalisch. Dabei ist es mir natürlich wichtig, dass die Emotionen möglichst direkt umgesetzt werden und auch möglichst klar zu hören und zu erfühlen sind. Allein schon deswegen bin ich kein großer Fan von aufgesetztem Pathos, der hindert da mehr, als das er nützt. Ich möchte allerdings nicht ausschließen, dass manche Passagen meiner Songs durchaus als pathetisch ausgelegt werden können, das liegt wohl im Auge des Betrachters. Aber gerade textlich bin schon sehr darauf bedacht, von übermäßig simplen und ausgelatschten Formulierungen Abstand zu halten.

Musicscan: Wie unterscheidet sich das Schreiben intuitiver, persönlicher Singer/Songwriter-Stücke vom Mitwirken in Hardcore-Bands? Musstest Du Deine Arbeitsweise umstellen, oder gab es da keine Probleme/Gewöhnungsphasen?

Ghost Of A Chance: Die Arbeitsweise unterscheidet sich schon ziemlich grundlegend, aber vor allem in der Hinsicht, dass ich sehr viel schneller und freier arbeiten kann, wenn ich alleine einen Song schreibe als in einem Bandgefüge. Der Vorteil hiervon liegt für mich vor allem darin, das es ein eindeutiges und schlüssiges Ergebnis gibt, mit dem ich mich meistens voll identifizieren kann. Bei den Bands, in denen ich gespielt habe ,war immer der Kompromiss das große Ziel, Ideen wurden demokratisch bearbeitet, und manchmal auch komplett verworfen, und damit war ich nicht immer zufrieden. Insofern war die Umstellung eigentlich nur die, dass ich Feedback nun immer von jemand bekomme, die/der nicht am Songwriting-Prozess beteiligt war. Aber der Vorteil hieran ist wiederum, dass ich entscheiden kann ob ich das Feedback umsetzten werde oder nicht. Insgesamt fühle ich mich mit dieser Arbeitsweise im Moment sehr gut und freue mich schon sehr darauf erstmal so weiter zu machen.

Musicscan: And Miles To Go Before I Sleep klingt professioneller produziert als viele andere Singer/Songwriter-Platten, gerade wenn man sie neben „knarzige“ Veröffentlichungen aus den Staaten stellt. War es eine bewusste Entscheidung, die Songs so „aufgeräumt“ klingen zu lassen oder hat sich das im Studio einfach so ergeben?

Ghost Of A Chance: Das Ergebnis ist in erster Linie der Verdienst von den Jungs im Mysterium-Studio, also Arkardi und Max von Dioramic, und natürlich Anton für das Mastering. Ich war vor den eigentlichen Aufnahmen ziemlich hin- und hergerissen zwischen Vorstellungen, die ich von dem Album hatte. Ich schwankte zwischen den großartigen LoFi-Produktionen im Stil von Daniel Johnston oder auch Sixteen Horsepower und natürlich aber auch den aufgeräumten und gut produzierten Sachen wie City and Colour oder die neueren Sachen von Bright Eyes. Im Endeffekt war ich von dem Stil der Produktion schon nach den ersten Aufnahmen und Mixes so begeistert, dass es gar nicht mehr in Frage kam war irgendetwas daran grundlegend zu verändern.

Musicscan: Deckt sich das Ergebnis And Miles To Go Before I Sleep mit Deinen Vorstellungen, wie die Platte werden sollte, als Du ins Studio gegangen bist? Stand das Album schon komplett, als Du angefangen hast, aufzunehmen oder gab's da noch viele Änderungen?

Ghost Of A Chance: Ich kann zum Glück sagen, dass ich mit dem Ergebnis ganz extrem zufrieden bin und meine Vorstellungen sogar noch übertroffen worden sind. Das Album stand schon ziemlich fest, aber auch in erster Linie deswegen, weil ich zum Zeitpunkt der Aufnahmen noch nicht viel mehr Songs geschrieben hatte.

Musicscan: Wie ist es insgesamt um Improvisationen im Kontext von Ghost Of A Chance bestellt, spielen sie eine große oder eher eine untergeordnete Rolle?

Ghost Of A Chance: Hmm, Improvisation ist ein heikles Thema. Ich bin live nicht der größte Freund von Improvisation und muss gestehen, dass ich da leicht aus dem Konzept gebracht werden kann. Aber was die Aufnahmen anging, so haben wir in vielen Momenten im Studio Dinge einfach ausprobiert, die sich als sehr gut herausgestellt haben, zum Beispiel ein Karton mit Müll als Percussion-Instrument oder ein quietschendes Türscharnier als Soundeffekt im Hintergrund.

Musicscan: Gibt es eine Idee, auf der das gesamte Album fußt – eine Art Konzept? Oder ist And Miles To Go Before I Sleep ein Werk, auf dem jeder Song für sich und eine eigene Idee steht?

Ghost Of A Chance: Es wäre auf jeden Fall übertrieben, von einem einheitlichen Konzept oder sogar Konzeptalbum zu sprechen. Aber ich würde schon sagen, dass den Songs ein grundlegend ähnliches Gefühl zugrunde liegt, das ich versucht habe, im Albumtitel zusammenzufassen. Dieses Gefühl von Schwermut, aber auch von Geborgenheit, davon getrieben zu sein und doch nicht genau zu wissen, wo man ankommen wird, das ist der Grundstein des Albums.

Musicscan: Hast Du schon eine vage Idee, an welchem Punkt Du nicht länger solo weitermachen würdest? Es könnte sich ja das Gefühl einstellen, es wäre jetzt alles gesagt und getan und dass es an der Zeit ist, das Kapitel Ghost Of A Chance zu beenden?

Ghost Of A Chance: Ich habe auf jeden Fall noch einiges zu sagen mit Ghost Of A Chance und werde in absehbarer Zeit auf keinen Fall aufhören, alleine zu schreiben. Ich habe mittlerweile für einige Auftritte und Songs wieder ein paar Freunde als Live-Band gewinnen können und experimentiere hiermit gerade, um live für etwas mehr Abwechslung sorgen zu können. Aber ich habe mich sehr daran gewöhnt solo zu schreiben, und fühle mich im Moment sehr wohl damit.

Musicscan: Für diejenigen, die Ghost Of A Chance noch nicht kennen: Was erwartet potenzielle Hörer, warum sollte man Dir eine Chance geben und Zeit widmen?

Ghost Of A Chance: Ich hoffe, es ist ein überzeugendes Album, das Leute ansprechen wird, die aufrichtige, melancholische und reduzierte Musik mögen. Und ich hoffe einfach, dass meine Musik für sich selbst sprechen kann und das ausreicht, um mir eine Chance zu geben.

 
 Links:
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