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Cephalic Carnage

Storie von: arne, am 24.08.2010 ]

Sie wirbeln wieder: CEPHALIC CARNAGE legen mit „Misled By Certainty“ ein neues Album vor, auf dem das Quintett aus Edgewater, Colorado neuerlich zum gepflegten Direktangriff zwischen Death Metal und Grindcore bläst. Zusätzlich gibt es partielle Erweiterungen des Brutalo-Sounds zu verzeichnen, die auf den Einstieg von Gitarrist Brian Hopp zurückzuführen sind.

 
„Brian zählte schon eine Zeit lang zu unserem engsten Umfeld und hat uns als Merch-Mann auf den letzten Touren begleitet,“ erzählt Shouter Lenzig Leal. „Da wir seine Fähigkeiten auf der Gitarre kennen, lag es auf der Hand, ihn als Musiker in die Band zu holen. Frisches Blut ist von Zeit zu Zeit immer gut, da es auch die übrigen Mitglieder anstachelt und man sich mitreißen lässt. Er ist total motiviert und schreibt und spielt verrückte Sachen, die perfekt zu uns passen. Nach dem ersten gemeinsamen Album sind wir mehr denn je überzeugt, dass er eine ideale Verstärkung für uns ist.“ Die Platte „Misled By Certainty“ ist auf den ersten Blick eine für die Band typische. Setzt man sich mit den Songs allerdings intensiver auseinander, stellt man fest, dass das Quintett mehr denn je auf gewichtige Kontraste setzt und die jähen Abdreh-Frickel-Parts wohl dosiert. Dadurch werden sie ein Stück weit anders gewichtet und hervorgehoben. In sphärisch-intensiven Passagen ohne Tempo fühlen sich CEPHALIC CARNAGE inzwischen auch zu Hause, wobei die Musiker ihren melodischen Gehalt stärker als in der Vergangenheit herausstellen:

„Zu Beginn hatte ich die Angst, einen zu starken Einfluss auf das Songwriting auszuüben und zu viel von meinem Background, den europäischen Melodic-Metal-Sachen, mit einfließen zu lassen, und das Soundbild so zu stark zu verändern,“ äußert sich Neuzugang Brian. „Die Anderen haben mir diese Angst aber schnell genommen und am Ende ist alles besser gelaufen, als ich mir jemals hätte träumen lassen. Wir sind überzeugt davon, gute Songs geschrieben zu haben und den Sound der Band durch neue Einflüsse weiter voran gebracht zu haben. „Misled By Certainty“ bietet mehr Abwechslung als die früheren Platten, so dass es noch mehr Leuten möglich sein sollte, etwas mit uns anzufangen.“ Das Crossover-Potenzial der Death’n’Grinder ist immens, so dass sowohl Old School- als auch Core-verwandte Hörer der Relapse Records-Kombo etwas abgewinnen können: „Die Trends kommen und gehen, und wir haben schon viele von ihnen unbeschadet überstanden,“ weiß Frontmann Lenzig. „CEPHALIC CARNAGE sind eine Band, die in einem harten und verrückten und in einem verträglichen Umfeld funktioniert. Wir passen mit fast allem zusammen, solange es Metal ist, so dass wir unseren Weg entspannt fortsetzen und so weitermachen werden, wie bisher. Den Wettbewerb scheuen wir nicht, denn wir wissen um das, was in uns steckt und kennen unsere Stärken.“ Für Gitarrist Brian ist klar, wo die Differenzierungsmerkmale des Fünfers liegen:

„CEPHALIC CARNAGE haben über die Jahre zu einem Sound gefunden, der verschiedene Spielarten des Metal miteinander kombiniert und im Ergebnis etwas von allem hat, ohne einer Richtung zu offensichtlich die Oberhand zu gewähren. Ich selbst versuche in meinem Bereich, den technischen Anspruch zu steigern, weil er mir persönlich wichtig ist, doch auf der anderen Seite passe ich auf, dabei nicht über das Ziel hinaus zu schießen. Wenn man in jedem Stück Vollgas gibt und das ausspielt, was man kann, übertreibt man es zwangsläufig. Dann setzen sich die Songs nicht mehr voneinander ab und alles klingt gleich. Das vermeiden wir, indem wir unsere Tracks mit wiedererkennbaren Passagen und guter Dynamik anreichern. Auch für uns ist es spannender, wenn sich die Richtung immer wieder ändert und etwas los ist.“ Die Verbindung technisch getriebener Grind-Attacken, brachialen MidTempo-Death-Rollens und ruhigerer Passagen, die verschnaufen lassen, wirkt auf „Misled By Certainty“ gut aufeinander abgestimmt und sehr kompakt: „Es ist interessant, wie schnell man die Perspektive ändert. Den einen Moment bin ich noch Beobachter von außen und wenig später schon Teil der Band. Da ich von uns allen noch den weitesten Abstand habe und die Songs halbwegs neutral einordnen kann, stimme ich der Einschätzung zu, dass das neue Material sowohl ein einheitliches Bild als auch einen stringenten Ansatz dokumentiert,“ meint Brian. „Jeder Song hat eine eigene Akzentuierung, doch in ihrer Gesamtheit gibt es eine verbindende Attitüde. Kein Album von CEPHALIC CARNAGE war zuvor so variabel angelegt. Es gibt so viel – tolle melodische Passagen, Grindcore, Doom, Technik, jazzige Spielereien, etc. Jedes Stück repräsentiert einen eigenen Stil und sie alle sind durch einen metallischen Rahmen geklammert. Das Songwriting hat unglaublich viel Spaß gemacht. Jeder von uns kam mit vielen eigenen Ideen in die Proben. Wir sind allen von ihnen nachgegangen, um zu schauen, was Sinn macht und weiterverfolgt werden soll. Einen definierten Plan, oder Elemente, die wir geplant mit auf die Platte genommen


haben, gab es nicht, und doch passt alles zusammen.“

Selbst die partiell verträgliche Schlagseite steht den Fricklern aus Colorado gut zu Gesicht, und eine amtliche Abrissbirne ist „Misled By Certainty“ ja immer noch: „Mit der Band gehen wir keine Kompromisse ein und sind allein unserem eigenen Anspruch verpflichtet. Wir spielen das, was wir spielen wollen,“ so der Gitarrist. „Es geht uns nicht darum, einen Beliebtheitswettwerb zu gewinnen und es den Leuten recht zu machen. Da wir noch nie nur in eine Schublade gepasst haben, sind schon immer unterschiedliche Hörergruppen auf uns aufmerksam geworden. Und auch bei den jüngeren Metal-Kids finden wir Anklang, so dass immer wieder neue Fans nachwachsen, falls wir für die älteren Hörer irgendwann doch zu abgefahren sein sollten. Das werten wir als Zeichen dafür, dass wir das, was wir tun, gut machen.“ Dabei bereichert der Einstieg von Brian die Band auch im theoretischen Bereich: „Ich beschäftige mich fortlaufend mit Musik und natürlich vor allem mit meinem Instrument und meinen individuellen Fähigkeiten darauf. Man muss am Ball bleiben, denn auch der beste Gitarrist der Welt kann immer noch etwas dazulernen, nicht nur was das Praktische anbelangt. Recording-Technik und Gitarren-Spiel im Jazz-Bereich habe ich studiert und mich dabei auch ausgiebig mit den theoretischen Grundlagen beschäftigt. Im Kontext von CEPHALIC CARNAGE versuche ich das gelernte Wissen aber auszublenden, um mich der Interaktion mit den Anderen hinzugeben.“

Das spontane Moment und impulsives Arbeiten sind die Grundlagen des Songwritings der Band: „Wenn wir zusammen kommen, um Songs zu schreiben, starten wir immer damit, zu jammen und zu schauen, wie weit uns das bringt. Für „Misled By Certainty“ gab es so viele Ansätze, dass wir in den vier Monaten, in denen wir an der Platte gearbeitet haben, viel mehr Songs geschrieben haben, als letztlich auf dem Album sind. So ist es immer. Am Ende können wir die stärksten Tracks auswählen, die am Besten dem entsprechen, wofür CEPHALIC CARNAGE unserer Auffassung nach stehen. Live ist es noch einmal eine andere Geschichte. Gerade bei den alten Sachen, die ich nicht mit geschrieben habe, improvisiere ich viele Parts und füge Soli hinzu, die es im Original nicht gegeben hat. Doch es passt und die Anderen mögen es.“ Das Ergebnis kann sich von jeher hören lassen, wobei das renommierte Decibel-Magazin aus den Staaten in Bezug auf das Quintett von den „most inventive grinders on the planet“ spricht:

„Es geht uns vor allem darum, Spaß zu haben und unsere Ideen auszuleben,“ wiegelt Brian ab. „Mal drehen wir frei, dann zeigen wir uns wider verträglich. Wir achten darauf, einen guten Mix zu spielen, um uns nicht zu sehr auf eine Ausrichtung festzulegen. Natürlich freuen wir uns über das Statement vom Decibel, doch letztlich zählt so etwas nicht viel. Es gibt so viele talentierte Gruppen, die tollen Metal spielen. Wir nehmen das Kompliment dankbar an, doch wir wissen, dass auch Andere gut unterwegs sind.“ Apropos unterwegs, ab Mitte September werden die Weirdos aus Colorado im Rahmen der „Initiation Of The Misled European Tour 2010“ gemeinsam mit Psycroptic, Ion Dissonance, Hour Of Penance und Dyscarnate in unseren Breiten unterwegs sein: „Für mich ist es eine Premiere, und ich kann es gar nicht abwarten, endlich international zu touren und Länder zu sehen, in denen ich bislang noch nicht gewesen bin,“ freut sich Brian. „Ich bin so heiß und werde jeden Abend 100% und mehr geben und hoffe, dass die Leute uns ebensoviel zurückgeben. Für Europa sind drei Wochen geplant, wobei wir in einem Hammer-Line-Up unterwegs sein werden. Auch wenn es ein Klischee ist: Ich freue mich auch auf das tolle Bier, von dem die Anderen mir vorgeschwärmt haben.“ Frontmann Shouter Lenzig ergänzt: „Unterwegs zu sein, neue Leute zu treffen, jeden Abend für ein anderes Publikum unsere Songs zu spielen – das macht für mich die Band aus und lässt mich immer weiter machen. Ich kann von dem leben, was ich mehr als alles andere liebe. Etwas Besseres gibt es nicht, und nach all den Jahren bin ich felsenfest davon überzeugt, dass ich geboren bin, um bis an mein Lebensende Metal zu spielen. Für Europa hoffen wir auf tolle Shows vor möglichst vielen Leuten. So haben wir Deutschland in Erinnerung, und bei euch lief es für uns immer richtig gut. Europäische Hörer sind kritisch, feiern dich aber voll ab, wenn sie dich mögen. Ich freue mich auf das Lächeln der weiblichen Fans, die zu unseren Konzerten kommen. Jede/r, der/die kommt, kann mit uns eine gute Zeit haben. Und bittet bringt was zu kiffen mit.“

 
 Links:
  myspace.com/cephaliccarnage
 
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