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The Funeral Pyre

Storie von: arne, am 20.08.2010 ]

Prosthetic Records hat einige Bands im Programm, die eher DIY-getrieben und weniger kommerziell orientiert sind. Kylesa, Landmine Marathon und THE FUNERAL PYRE sind nur drei der möglichen Beispiele. „Vultures At Dawn“ ist vierte Scheibe der Kalifornier, die längst dem Black Metal zuzuordnen sind. Dieser wird mal dicht atmosphärisch, mal rabiat-reduziert vorantreiben.

 
Das Quintett hat mit dem vor zwei Jahren erschienenen „Wounds“ seinen Stil gefunden. Seit die Keyboards aus dem Bandsound verschwunden sind, fokussieren die Musiker auf das Songwriting und werkeln an der vernichtenden Effektivität ihrer Stücke: „Es soll nicht abgedroschen, aber THE FUNERAL PYRE bestehen aus engen Freunden, die gemeinsam in einer Band spielen,“ sagt Shouter John. „Wir waren bereits befreundet, bevor die Gruppe gegründet wurde, so dass wir die Eigenheiten und Ansichten der Anderen gut kennen und mit ihnen umzugehen wissen. Das macht es im kreativen Prozess einfacher. Die Band kommt an zweiter Stelle. Wichtiger ist es uns, dass das Zwischenmenschliche im Gleichgewicht bleibt. Die Herausforderung, irgendwann unsere Underdog-Position innerhalb der amerikanischen Metal-Szene zu verlassen, treibt uns an. Bislang haben wir nicht übermäßig Beachtung erfahren. Das lässt uns die Freiheit, neue Dinge auszuprobieren und kontinuierlich besser zu werden. Von jedem Lied, jedem Album und jeder Tour lernen wir und bringen viele neue Eindrücke mit, die wir anschließend in neuen Stücken verarbeiten. Das ist die Grundlage dafür, als Menschen, als Künstler und als Band zu wachsen. Ginge es nach mir, kann das ewig so weitergehen.“

Die Kalifornier verbinden schroffen Black Metal mit schleppender Langsamkeit, auf dem geröchelte Vocals den nahenden Untergang verkünden. THE FUNERAL PYRE klingen in diesen Momenten allein zersetzend und destruktiv: „Da draußen gibt es unbestritten viele Gruppen und Musiker, die technisch versierter und tighter aufspielen als wir,“ weiß der Sänger. „Das ängstigt uns jedoch nicht. Minderwertigkeitskomplexe haben wir auch keine. Wir streben danach, die Hörer mit unseren Stücken zu bewegen. Unsere Alben sollen für Hörer ein Wechselbad der Gefühle sein, das sie auf eine Art und Weise anspricht, die man nur von wenigen Gruppen kennt. Dabei ist es egal, ob wir beim Hörer positive oder negative Regungen hervorrufen. Wichtig ist, dass sich eine Wirkung einstellt. Über den Stil, den wir spielen, denken wir nicht nach, so lange alles heavy bleibt. Wir folgen unserer Intuition und dem, was sich einstellt.“ Verglichen mit dem Vorgänger wirkt das neue „Vultures At Dawn“ in sich sowohl kompakter und stimmiger als auch kontrastreicher und durchdachter: „Uns ist erst, als wir das fertig produzierte Album hörten, aufgefallen, dass wir dieses Mal ein zusammengehöriges Gefühl transportieren und in einem Stil durchspielen,“ bestätigt es John. „Das hat uns überrascht, doch wir haben es wohlwollend zur Kenntnis genommen. Aus unseren Reaktionen und denen von engen Freunden, die uns von Beginn an kennen, kann ich sagen: Es ist das Album, das THE FUNERAL PYRE schon immer machen wollten und auf das die Fans gehofft haben. Wir blicken der offiziellen Veröffentlichung voller Selbstbewusstsein und mit Stolz entgegen und können es kaum abwarten, zu erfahren, wie „Vultures At Dawn“ bei den Leuten ankommt.“

Sich selbst


haben die Musiker aus Kalifornien schon glücklich gemacht, denn mit einem derart durchschlagenden Longplayer haben sie nicht gerechnet: „Natürlich sind wir mit einer gewissen Erwartungshaltung in die Studioarbeit gegangen, doch das Ergebnis hat auch uns überrascht. Doch so glücklich wir mit der Platte sind, wir wissen bereits, was wir beim nächsten Mal anders machen werden und haben viele neue Ideen. „Vultures At Dawn“ beflügelt uns, unseren Sound weiter zu entwickeln. Das ist aber normal. Ist eine neue Scheibe fertig, fühlt man sich, als könne man Bäume ausreißen. Momentan reiten wir auf einer Wolke des Hochgefühls.“ …denn endlich fließen auch offensichtlich eigenständige Elemente mit ein, die das Quintett im harten Wettbewerb differenzieren: „Ich denke, dass wir zu einer eigenen THE FUNERAL PYRE-Identität im Songwriting gefunden haben,“ meint John. „Allerdings ist sie noch nicht immer konsequent umgesetzt. Nur wenige Bands können es für sich in Anspruch nehmen, einen Sound zu spielen, den man automatisch mit ihnen assoziiert. Wenn man so etwas erreicht, ist es natürlich toll, doch das ist nicht unser Anspruch. Wir haben Jahre gebraucht, um uns darüber Klarheit zu verschaffen, was wir eigentlich wollen und haben diesen Prozess gerade erst abgeschlossen. Heute wissen wir, wie wir unsere Songs am Effektivsten strukturieren und was wir tun müssen, um die beabsichtigte Wirkung zu erzielen. Doch wir befinden uns nach wie vor in einer Phase des Lernens, auch es uns heute deutlich besser gelingt, unsere Ideen adäquat umzusetzen.“

Titel wie ,Destroying Gods‘, ,Personal Exile‘ oder ,To Watch The Earth Rot‘ zeugen von einem wenig euphorischen Blick auf die eigenen Gefühle und die Lage der Welt. Dabei sind die Texte überraschend persönlich gehalten:

„Unsere letzte Platte wurde gerade hier in Amerika dafür kritisiert, dass ich in meinen Texten zwischenmenschliche Themen aufgegriffen und eine sehr emotionale Seite herausgestellt habe. Im Verständnis vieler Journalisten und Hörer passen extremer Metal und menschliche Gefühle nicht zusammen. Ich war schockiert, andauernd dafür kritisiert zu werden. Das ist etwas, was die Leute mit sich selbst ausmachen müssen, was die Leistung unserer Band aber nicht schmälern darf. Wir alle sind Menschen, und auch Metaller haben Emotionen. Sie sind die Triebfeder, wenn ich Texte schreibe und Ausdruck meiner Persönlichkeit. Deshalb höre ich nicht damit auf, Situationen meines Lebens auf ein abstraktes Level zu heben und zu reflektieren. Meiner Meinung nach ist es für Hörer spannender, mit nicht-metallischen Themen wie Liebe, Verlust und Leidenschaft konfrontiert zu werden. Leider teilen nur wenige extreme Metal-Bands die Sichtweise und trauen sich, so etwas umzusetzen.“ Auch musikalisch schauen THE FUNERAL PYRE mit einem bewussten, ein Stück weit anderen Blick auf ihren Metal-Sound. Das ist vielleicht nicht jedermanns Sache, ändert aber nicht an der Klasse von „Vultures At Dawn“.

 
 Links:
  myspace.com/thefuneralpyre
 
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