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Dagoba

Storie von: arne, am 16.08.2010 ]

Die Franzosen von DAGOBA beschäftigen sich auf ihrem neuen Longplayer mit dem griechischen Gott des Meeres und Bruder des Zeus. „Poseidon“ war das Pferd heilig, was direkt eine Assoziation zu „Remission“ von Mastodon hervorruft, die auch musikalisch aufrecht zu halten ist. Es sind Bands wie die aus Boston, oder auch Light Pupil Dilate, Gojira, Neurosis, Meshuggah, etc., die es heranzuziehen gilt, wenn man das wuchtig-herausfordernde Treiben des XIII Bis-Neuzugangs umreißen will.

 
„In diesem Jahr begehen wir unser zehnjähriges Bandjubiläum. Wir vier sind also schon eine ganze Weile zusammen und kennen uns sogar noch länger,“ äußert sich Bassist Werther: „Wir haben die Gruppe noch zu Schulzeiten gegründet und sind schon immer eng miteinander befreundet gewesen. Gemeinsam sind wir erwachsen geworden und haben uns auch als Musiker gegenseitig gepusht und weiterentwickelt. Für unser Banddasein haben wir eine gesunde Basis gefunden und sind zuversichtlich, so noch lange weiterzumachen. Innerhalb der Band gibt es weder Platz für Eitelkeiten noch für Alleingänge. Die eingeschworene Einheit ist unser Geheimnis, in der jeder über seine Grenzen geht und für die Anderen einsteht. Wir lieben es, an neuen Ideen zu arbeiten und Sounds zu kreieren, die man von DAGOBA zuvor noch nicht kannte.“

Die Franzosen liefern wiederum ein in sich geschlossenes, organisch wachsendes Konzeptwerk ab, das seinen Hörern nichts Gutes will. DAGOBA sind visionäre Metaller, die limitierende Stilgrenzen wie selbstverständlich niederreißen und allein auf das Volumen und die Wirkung ihres dichten, brachialen Sounds schauen: „Wie sich der Metal und seine Rezeption in den letzten Jahren verändert haben, war nicht absehbar und ist vor zehn Jahren von niemandem für möglich gehalten worden,“ so der Bassist. „Bands und Hörer haben fordernde, komplexe Sounds für sich entdeckt und schenken ihnen heute Aufmerksamkeit. Davon profitieren auch wir. Dennoch muss ich anmerken, dass es nur wenige gute Gruppen gibt, die etwas Eigenes auf die Beine stellen und die verstanden haben, dass man nicht zwangsläufig krass und technisch aufspielen muss, um neue Sounds zu erschaffen und die Leute für sich zu begeistern. Schneller zu sein, bedeutet nicht, dass man in jedem Fall auch besser ist. Mit DAGOBA erschaffen wir einen emotionalen Heavy-Sound, der Gefühle transportiert, sich natürlich entwickelt und mit der Zeit wächst. Unsere Stücke sind nie das Ergebnis langwährender Arbeits-Sessions. Auch wenn wir stundenlang im Proberaum werkeln und an den Songs feilen, kommen wir am Ende meistens doch zur ersten Version zurück, die sich als beste herausgestellt hat. Was nicht geplant ist, erzielt zumeist die größte Wirkung.“

Der Zweck heiligt die Mittel, und ein Mindestmaß an Planung gibt es auch beim Quartett, wie Werther zugesteht: „Mit „Poseidon“ ernten wir nun die Früchte, die wir mit „Face The Colossus“ gesät haben. Mit dieser Platte haben wir eine neue Richtung eingeschlagen und uns kreativ neu aufgestellt. Das führen wir nun weiter, wobei wir dank der damaligen


Arbeit von Beginn an größere Klarheit hinsichtlich unserer Ansprüche und Wünsche hatten. „Face The Colossus“ gab die Richtung vor und ist der Ausgangspunkt der Arbeit für „Poseidon“ gewesen. Wenn man weiß, was man will und wie man das erreicht, geht die Arbeit wie von selbst. Wir hatten niemals auch nur den geringsten Zweifel daran, dass alle Songs so werden würden, wie wir sie uns vorstellten. Sogar das Konzept rund um ein Piratenschiff auf einer abenteuerreichen Reise um die Welt fand sich faktisch von selbst und entwickelte seine Etappen ohne großes Zutun unsererseits. Die Arbeit verlief wie im Rausch und völlig reibungslos. Bewusst haben wir auch die Produktion übernommen, damit wir unsere Vision adäquat umsetzen konnten. Das ist ein weiterer Unterschied zu unseren früheren Platten.“

DAGOBA gewähren immer wieder kurze Momente der Zuversicht und bisweilen dürfen die manischen Melodien sogar in den Vordergrund treten. Doch alsbald reiten die Musiker die nächste wüste Attacke und der Sturm bricht von neuem los: „Um auf Nummer sicher zu gehen haben wir fast alle Stücke von „Poseidon“ durch eine Pre-Produktion geschickt, so dass wir bis hin zum Sound exakt testen konnten, wie das spätere Ergebnis klingen würde. Die einzige Unbekannte waren demnach die Vocals, die man nie genau planen kann, doch Shawter hat einen super Job abgeliefert. Dass dieses Mal auch Passagen dabei sind, die von den Leuten mitgesungen werden können, ist ein schöner Nebeneffekt, der nicht intendiert war, jedoch passt. Ohne Zweifel sind DAGOBA nach wie von Metal, doch es finden sich auch Elemente anderer Spielarten, die das Spektrum und die Tiefe der Stücke zwanglos erweitern.“

In seinen zehn Jahren hat das Quartett aus Marseille zu einem kompakten Heavy-Mix gefunden, der durch füllende Keyboards in seiner Dichte effektiv erweitert wird. „Poseidon“ ist sowohl ein heftiger Schlag in die Fresse als auch ein fieser Mindfuck. Besser waren DAGOBA noch nie: „Wir geben immer unser Bestes und bringen uns voll und ganz in unsere Stücke ein. Nicht alle Musiker gehen über ihre Schmerzgrenze hinaus und pushen sich so weit, bis nichts mehr geht. Wir tun das und ich bin geneigt zu glauben, dass man das auch hört. Die ungeschönten Emotionen überführen unser Innerstes in Songs. DAGODA und unsere Songs sind die Essenz unserer Persönlichkeiten und Einstellungen gegenüber allem, wie dem Leben und anderen Menschen. Jeder hat eine andere Auffassung darüber, was wichtig und relevant ist. Wir bieten unsere Sichtweise, der man sich anschließen oder die man diskutieren kann.“

 
 Links:
  myspace.com/dagoba
 
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