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Fleshwrought

Storie von: arne, am 09.08.2010 ]

Navene Koperweis hat sowohl bei Animosity als auch bei Animals As Leaders bewiesen, dass er ein kreativ verspielter, tighter Schlagzeuger ist. Im Kontext seines Outlets FLESHWROUGHT avanciert er nun zum Multiinstrumentalisten und zeichnet neben dem Songwriting auch für das Einspielen aller Instrumente von „Dementia/Dyslexia“ verantwortlich. Allein für die Vocals suchte er sich einen Gast-Shouter. Diese Position hat Koperweis an Jonny Davy von Job For A Cowboy vergeben.

 
„Musik ist meine Leidenschaft, so lange ich zurückdenken kann, und hat schon immer mein Leben bestimmt,“ so Navene. „Heutzutage ist sie für mich das richtige Vehikel, um meine Gefühle und meine Persönlichkeit kreativ auszudrücken. Das ist die Kunstform, die ich kenne und in der ich gut bin. Eine andere käme nicht in Frage. Man kann ja auch nicht einfach von Deutsch auf Französisch schwenken, wenn man sein ganzes Leben lang Deutsch gesprochen und Französisch nicht gelernt hat. In allem, was ich tue, versuche ich, die Vorstellungskraft der Leute anzuregen und ihre Assoziationskraft zu pushen. In meinen Songs kommt das zusammen, was ich in all den Jahren als Musiker in unterschiedlichen Bands und Genres gelernt habe, nur dass es jetzt in den komprimierten Rahmen eines zeitlich begrenzten Longplayers passen muss. Das überlegte Songwriting und der beständige Soundfluss helfen den Leuten hoffentlich dabei, eine Beziehung zu meinen Tracks aufzubauen und nachzuvollziehen, was ich auszudrücken versuche. Mein ganzes Leben über habe ich mich mit dem Schaffen anderer Künstler beschäftigt und mich von Anderen auf die eine oder andere Art und Weise beeinflussen lassen. Meine Hoffnung ist es, dass meine Tracks den Hörern etwas geben und sie anregen, selbst kreativ zu werden.“

Sieben Jahre nach den ersten Ideen für das Projekt FLESHWROUGHT erscheint „Dementia/Dyslexia“, das sich schwerverdaulich und extrem verbreakt zwischen Grindcore, Brutalo-Death und experimentellen Tendenzen entwickelt. Kurze jazzige Zitate werden vom Metal Blade-Zugang ebenso verwurstet wie atmosphärische Zwischenparts. „Gerade, wenn man eine Debüt-Solo-Platte veröffentlicht, hat man alle Freiheiten und kann seine Ideen ohne Rücksicht auf Verluste durchziehen,“ so der Musiker. „Die Songs unterscheiden sich teils stark voneinander, doch es gibt ein verbindendes Konzept, das sie miteinander interagieren lässt. Thematisch dreht sich alles um nach Innen gerichtetes Denken, psychische Qualen und geistige Labilität. Man muss sich selbst beobachten und eine Balance für sein Denken und Handeln finden, um mit sich ins Reine und ausgeglichen durch das Leben zu kommen. Andernfalls kann man nicht glücklich werden und nimmt ein tragisches Ende. Es ist ein Vorteil, dass es mehrere Jahre gedauert hat, bis das erste Album von FLESHWROUGHT fertiggestellt war. So hatte ich alle Zeit der Welt, meine Ideen in Songs mit möglichst effektiven Strukturen zu überführen. Wann immer man neue Bands und Sounds entdeckt, nimmt man Ansätze mit, die sich auch im eigenen Schaffen einbauen lassen und das Gesamtbild anreichern. Als Musiker darf man sich neuen Einflüssen nicht verschlie


ßen. Im Vorfeld weiß man ja nie, was einen weiterbringt. Für das Projekt war es entscheidend, dass ich alles selbst eingespielt und aufgenommen habe. So konnte ich alles bis zum Exzess analysieren und so lange verändern, bis ich vollkommen zufrieden war.“

Navene Koperweis hält seine Songs rhythmisch verspielt und bricht den Songfluss permanent auf, doch er achtet auch auf Hörbarkeit und verliert den Blick für das Ganze nicht aus den Augen: „Das Album beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Gefühlszuständen, die wir als Menschen kennen – vor allem mit den extremen Emotionen wie Frustration und Verrücktheit. So bin ich als Musiker: ein frustrierter Songwriter. Das Album konnte nicht anders klingen, wobei es keine scharfe Grenze zwischen mir als Mensch und als Musiker gibt.“ Vordergründig stehen FLESHWROUGHT für fieses, sperriges Gefrickel, blastige Abrissbirnen und maximalen Druck. Verwundert stellt man allerdings fest, dass „Dementia/Dyslexia“ einen höheren melodischen Gehalt, und sogar wiedererkennbare Passagen, besitzt, als man zunächst für möglich hält: „Ich bin detailverliebt und ein Pedant,“ sagt Navene über sich selbst.

„Alles, was ich schätze und für gut befinde, die Songs weiterzubringen, wird auch integriert. Die einzige Restriktion besteht darin, dass die verwandten Stile und Elemente stimmig miteinander harmonieren und in ihrem Zusammenspiel mehr als die Summe der Einzelteile sein müssen. Deshalb war fast alles festgelegt und geschrieben, bevor es an die Aufnahmen ging. Lediglich die Drums sind komplett im Studio improvisiert. Denn nur auf dem Schlagzeug habe ich die Gewissheit, dass Improvisation zu einem guten Ergebnis führt, da das mein Paradeinstrument ist. Bei mir ist aber nichts ausgeschlossen. Der Ansatz ist es ja gerade, unterschiedlichste Stile und Einflüsse heranzuziehen und aus ihnen FLESHWROUGHT zu machen, was auch immer das bedeutet. Das wird noch deutlicher werden, sobald ich neues Material veröffentlichen kann. Die erste Platte ist noch nicht so unberechenbar und eigen wie die neueren Sachen, die ich kürzlich geschrieben habe. Ich schätze Künstler, die ihren Sound immer wieder verändern und sich selbst nicht wiederholen. Deshalb beschäftige ich mich kontinuierlich mit neuen Stilkombinationen, die mich reizen und auch die Hörer herausfordern. Bei aller Veränderung muss man lediglich darauf achten, ein gleichbleibend hohes Qualitätslevel sicherzustellen. Von den verwandten Stilen ist dieses jedoch unabhängig. Es gibt noch so viel zu entdecken, und ich bin ebenso wie die Hörer gespannt, was mir noch alles einfallen wird. Kreativ zu sein, gleicht einer Reise, die niemals endet.“

 
 Links:
  myspace.com/fleshwrought
 
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