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And Hell Followed With

Storie von: arne, am 20.07.2010 ]

Mit AND HELL FOLLOWED WITH hat sich Earache doch noch ein Deathcore-Schwergewicht gesignt. Das Quintett aus Detroit ist am extremen Ende der Spielart positioniert und stimmt selbstbewusst und bissig in den Wettbewerb in der Sparte mit ein. „Proprioception“ ist ein Album, das mit den Veröffentlichungen von Whitechapel, Suicide Silence, Despised Icon, Beneath The Massacre, The Last Felony & Co. problemlos mithalten kann.

 
Die Jungs aus Michigan, deren Bandname sich aus einem Song von Johnny Cash ableitet, teilen tight, brutal und rasend schnell aus, doch sie wissen auch, dass es ruhigerer Ausgleichsmomente bedarf, damit sich die Hörer wieder sammeln und auf die nächste Attacke vorbereiten können: „Was ich an den neuen, extremen Spielformen des Metal vor allem schätze, ist die Tatsache, dass sie den Metal insgesamt verjüngen und für neue Hörergruppen interessant machen, die sich mit traditionell orientierten Substilen nicht anfreunden können,“ äußert sich Gitarrist Kyle. „Als Band verbinden wir viele unterschiedliche Elemente und Motive aus diversen Metal-Spielarten, um eine neue Form brutaler Komplexität zu erschaffen. Kreativ sein zu können, ist für mich dabei die größte Inspiration. Zu erleben, was aus den eigenen Ideen erwachsen kann und sie klingen zu hören, ist unglaublich erfüllend. Es braucht nicht einmal viel, um einen Ansatz für ein neues Stück zu finden. Alles in meinem Umfeld kann mich inspirieren. Es kommt auf den Moment und meine Auffassungsgabe an. Jedenfalls gibt es keinen definierten Bauplan, nach dem wir unser Songwriting ausrichten. Doch ich bin froh, dass „Proprioception“ so ausbalanciert und hörbar ausgefallen ist.“

AND HELL FOLLOWED WITH bemühen neben ihrer schroffen, unangepassten Kante auch tolle Melodien und kurze, atmosphärische Passagen sowie derben Beatdown-Mosh. Selbst beste Crew-Shout-Outs gibt zu hören: „Es gibt bei uns weder Geheimnisse noch eine ungewöhnliche Arbeitsweise. Wir achten darauf, für jeden Song einen starken Hook zu haben, der eine spannende Entwicklung durchläuft und sich bis hin zu seinem Höhepunkt stimmig auflöst,“ so der Gitarrist. „Songs müssen genauso aufgebaut werden wie Bücher. Man muss in die Handlung einführen, die Dramaturgie steigern, Wendungen und Finten setzen und ein unerwartetes Finale bieten. Das ist der Anspruch, den wir selbst an alle unsere Tracks richten, und dem wir gerecht werden wollen.“ Das Bild passt, denn so wie ein gedrucktes Buch nicht mehr verändert werden kann, sind auch die Songs von AND HELL IS FOLLOWED WITH gesetzt, wenn sie erst einmal auf Platte gebannt sind:

„Bei der Art von Metal, die wir spielen, bleibt für Improvisation und Spontanität kein Raum. Zumindest nicht, was das musikalische Gerüst und das Spielen angelangt. Daneben verstehen wir uns ganz gut darauf, schnell gute Lösungen zu finden und heikle Situationen zu meistern. So wie erst kürzlich, als wir plötzlich ohne Sänger dastanden und auf dem Sprung waren, auf Tour zu gehen. Ein enger Freund füllte die Lücke, wir haben ohne Ende geprobt und sind als Band gewachsen und noch besser geworden. Der jähe Schrecken und der ungeplante Verlust haben sich aus heutiger Sicht positiv ausgewirkt, doch natürlich kann man sich nicht darauf verlassen, dass so etwas immer klappt. Wir sind froh, dass der Wechsel des Sängers ohne


Rückschläge und Probleme über die Bühne ging. Es war fast schwieriger, unseren Van zum Tourstart auf die Straße zu bekommen, denn auch er hat am Tag vor der Abreise den Geist aufgegeben.“ Der Wechsel an der Position hinter dem Mirko war der vorerst offensichtlichste, doch Kyle sieht Rotation in der Startphase einer Band als normal an: „Es braucht eben seine Zeit, bis ein festes Line-Up gefunden ist. Ist das geschafft, verläuft die musikalische Verständigung wie von selbst. Jedenfalls war es bei uns so. Schnell hatten wir den Basis-Sound von AND HELL FOLLOWED WITH definiert und sind dazu übergegangen, an der Güte des Songwritings zu feilen. Die Arbeit an „Proprioception“ hat uns noch enger zusammen gebracht. Der Schreib- und Produktionsprozess war unglaublich fokussiert und effektiv. Wir verstehen uns heute blind und sind bereit, die Welt zu erobern. Trotz der Line-Up-Wechsel, die wir durchlaufen sind, gibt es einen festen Kern, der die Band ausmacht, nie die Geduld verliert und immer felsenfest an AND HELL FOLLOWED WITH glaubt.“

Rückblickend ist die Entwicklung der Detroiter für den Gitarristen sogar nahezu ideal verlaufen: „Als Haufen von Freunden haben wir die Band gegründet und begonnen, an den Wochenende Shows zu spielen. Dann kam das Angebot von Earache und mit ihnen ein professionelles Booking. Wir gingen auf die ersten Touren und haben weiter hart an unserem Stil gearbeitet. Den entscheidenden Schub gab zweifellos das Signing, das uns zusätzlich motivierte und an unsere Grenzen gehen ließ. Wenn ein legendäres Label wie Earache auf einen zukommt und längerfristig mit einem arbeiten will, muss man diese Chance beim Schopf packen und das Beste daraus machen. Es ist so, als wenn ein pubertierendes Mädchen seinen Lieblings-Pop-Sänger trifft.“ Das Quintett hält die Anlage seines Earache-Einstands überraschend variabel und ist auf ein lockeres Soundbild bedacht – dem brutalen Metal zum Trotz: „Wir sind so stolz darauf, dass unsere Platte nicht nur einen Sound aufweist, sondern unterschiedliche Facetten besitzt, die sich ergänzen und einen größeren Kontext schaffen,“ zeigt sich Kyle zufrieden. „Wir haben uns keine Grenzen gesetzt und verstehen die Band als Möglichkeit, unsere Emotionen und die in uns wohnende Energie auszuleben. Wut, Frustration, Anger, Angst, Begeisterung, Gewalt, Erfüllung – es gibt so viel, wofür unsere Songs stehen bzw. was in ihnen verarbeitet wird. Wir nehmen uns nicht zurück und gehen in den Stücken voll auf.“

Der wesentliche Unterschied zwischen dem Debüt „Domain“ und „Proprioception“ ist dabei die zugrunde liegende Attitüde. AND HELL FOLLOWED WITH haben sich entscheidend professionalisiert und von gewöhnlichen Deathcore- und MetalCore-Mustern verabschiedet. Das Quintett hat zu einem modern-brutalen Metal-Sound gefunden, der sich nicht so leicht greifen lässt und straff wie hartnäckig in die Offensive geht.

 
 Links:
  myspace.com/andhellfollowedwith
 
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