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Whitechapel

Storie von: arne, am 19.06.2010 ]

Der schon häufig angestimmte Abgesang auf den Deathcore muss ein weiteres Mal verstummen und in die Zukunft vertragt werden. WHITECHAPEL fahren mit „A New Era Of Corruption“ ein Drittwerk auf, das lässig und vehement unter Beweis stellt, dass in der Extrem-Spielart des modernen Metal durchaus noch Raum für Innovation und kreatives Gedankengut existiert und sich der Stil entwickeln lässt.

 
Das Sextett aus Knoxville präsentiert sich ebenso souverän wie bissig. Wer rabiate Abrissbirnen zwischen Brutalo-Death, Grindcore und wenigen Tough-Core-Momenten schätzt, bekommt von WHITECHAPEL die Vollbedienung und wird bei fehlender Vorsicht überrannt: „Brutaler Death Metal ist sicherlich die Beschreibung, die unseren Sound am besten trifft,“ meint Gitarrist Alex Wade. „Wir fühlen uns geehrt, wenn Leute über uns sprechen und diskutieren und wissen um unsere privilegierte Lage. Eine zunehmend bekannte und akzeptierte Band zu sein, nehmen wir nicht für selbstverständlich. Es ist das Ergebnis unserer harten Arbeit in den zurückliegenden Jahren. Extremen Metal zu spielen, ist tagtäglich eine Herausforderung, die antreibt und den Geist wach hält. Im Segment, in dem wir uns bewegen, passiert so viel innerhalb kürzester Zeit. Man muss am Ball bleiben und wie die anderen Gruppen an sich und seinem Sound arbeiten. Es ist ein kleiner Wettbewerb darum entstanden, wer am Besten gleichzeitig brutal, technisch und abwechslungsreich aufspielen kann. Das erfordert es, beständig an die eigenen Grenzen zu gehen und das Letzte aus sich herauszuholen. Damit ist es praktisch ausgeschlossen, sich zu wiederholen oder monoton aufzuspielen. Die Kids, die diese Art modernen Metal hören, würden es nicht verzeihen. Um bei ihnen zu bestehen, muss man nachlegen und besser werden.“

Im harten Wettbewerb verfügt die Metal Blade-Kombo über ein offensichtliches Differenzierungsmerkmal: „Mit drei Gitarren zu arbeiten war von jeher ein Markenzeichen von WHITECHAPEL und wird es auch in Zukunft bleiben. Wir müssen uns im Studio nichts zusammenschieben, was wir dann live nicht umsetzen können. Die Möglichkeiten, einen vollen, variablen und Riff-basierten Extrem-Sound zu kreieren, nutzen wir ausgiebig und wollen sie nicht missen. Ich kann mir nicht vorstellen, unsere Songs vergleichbar intensiv und hart mit nur zwei Gitarristen zu spielen. In jedem Fall führt an drei Gitarren für uns kein Weg vorbei.“ Mit „A New Era Of Corrpution“ erscheint die logische Konsequenz, die sich aus dem Debüt „The Somatic Defilement“ und dem Zweitwerk „This Is Exile“ ergibt:

„Wir haben ein Metal-Album geschrieben und aufgenommen, nicht mehr,“ relativiert Alex. „Es war weder unsere Absicht, etwas gravierend anders zu machen, noch bewusst neue Dinge auszuprobieren. Die Songs sind die Quersumme unserer Einflüsse und Vorlieben, die ein Feld zwischen Death und Melodic Metal, MetalCore, Progressive, etc. umfassen. Wir limitieren uns im Songwriting nicht und verstehen uns als Metal-Band, die ernsthaft, konzentriert und leidenschaftlich neue Songs schreibt.“ Aus den Fehlern bzw. dem Optimierungspotenzial der Vergangenheit haben WHITECHAPEL die richtigen Schlüsse gezogen: „Es war eine schöne Erfahrung, dieses Mal ausreichend Zeit für das Songwriting und das anschließende Finetuning zu haben, denn bislang kam eines von beidem immer zu kurz,“ so der Gitarrist.


„Je mehr Zeit man zur Vorbereitung hat, desto besser und stimmiger wird das Album. „A New Era Of Corrpution“ zeigt das deutlich auf. Natürlich spielt die größere Routine mit rein wie auch die Tatsache, dass wir als Songwriter keine Anfänger mehr sind. Die neuen Tracks sind besser strukturiert und nicht länger eine lose Ansammlung von Riffs und krasser Technik. Es sind wirklich Songs entstanden, die eine Entwicklung durchlaufen. Sich etwas mehr Zeit als üblich zu lassen, hat überdies den positiven Nebeneffekt, das die Kids ungeduldig werden und der neuen Platte noch mehr entgegenfiebern. Das war so allerdings nicht beabsichtigt.“ Anders als zuletzt bei „This Is Exile“ gibt es für das Drittwerk des Sextetts kein definiertes lyrisches Konzept: „Die Songs drehen sich mehr oder weniger um die schwierigen Zeiten, in denen wir leben, und den Untergang der Menschheit. Die Kids finden sich in Phils Texten wieder, weil er sich vom Leben inspirieren lässt und dieselben Ängste und Erfahrungen durchlebt, wie sie. Musikalisch entlädt sich das in den Texten skizzierte Umfeld in harten, energiegeladenen Songs, die ein ungleich breiteres und reifer arrangiertes Spektrum abdecken. Ausgehend von dem, was unsere früheren Platten bestimmt hat, sucht sich „A New Era Of Corruption“ einen emanzipierten, unheilvollen Weg, der über das hinaus geht, was wir bislang gespielt haben.“

WHITECHAPEL haben dank aufreibender Live-Aktivitäten und gewonnener Routine zu einem straffen, fokussierten Songwriting gefunden, das auf prägnanten Hooklines und maximaler Zerstörungskraft basiert. Die Gastauftritte von Vincent Bennett von The Acacia Strain und – mehr noch – von Chino Moreno von den Deftones sind die i-Tüpfelchen auf einer rundum gelungenen Platte: „Unser Manager ist auch für Chino’s Nebenprojekt Team Sleep tätig und kennt ihn seit mehr als zehn Jahren,“ klärt Alex über die Hintergründe auf. „Als wir mit dem Vorschlag eines Gastauftritts an beide herantraten, hat sich Chino zunächst unsere Alben angehört und anschließend direkt zugesagt. Wir waren überwältigt, als die Bestätigung kam, denn wir alle sind große Deftones-Fans. Für uns ist ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen.“ Für die weitere Zukunft von WHITECHAPEL versprechen derartige Kollaborationen viel, und auch der Gitarrist zeigt sich optimistisch:

„Ich sehe in unserer Bandkonstellation großes Potenzial für eine lange Karriere im Metal. Wenn wir unsere Karten richtig spielen, wird es uns noch eine ganze Weile geben. Es ist unser Anspruch, dass die Kids mit etwas Neuem und Frischen rechnen können, wann immer ein neues Album von uns erscheint. Gelingt es uns, das umzusetzen, kann nicht viel schief gehen.“ Zuträglich dürfte es ebenfalls sein, dass sich der Brutalo-Mix der Band nicht mit Fragen nach der Standortbestimmung aufhält. WHITECHAPEL sind erwiesenermaßen extrem und besser als auf „A New Era Of Corrpution“ waren sie noch nie.

 
 Links:
  myspace.com/whitechapel
 
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