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Myra

Storie von: arne, am 03.06.2010 ]

Das Leipziger Melodic-Death-/MetalCore-Outfit MYRA veröffentlicht mit „Godspeed“ seinen zweiten Longplayer. Die fünf Sachsen gehen darauf mit vertonter Leidenschaft und greifbarem Herzblut zur Sache und punkten überdies als clevere Songwriter, die auf Dynamik, vielfältige Stilwechsel und einen gehobenen Anspruch setzen.

 
In der stilistischen Aufstellung als modern-extreme Band, die Zitate unterschiedlicher Spielarten aus dem Metal und Hardcore zusammen bringt, sieht Gitarrist Ron vor allem Vorteile: „Ein klares Pro ist der musikalische Facettenreichtum, der sich aus der Kombination ergibt. Das Ergebnis kommt dann automatisch auch bei einer größeren Bandbreite von Hörern an. Vom traditionellen Metalhead bis zum Hardcore-Kid ist da alles dabei. Darüber sind wir auch glücklich. Rein optisch werden wir in die Metalcore-Ecke gesteckt, was von vielen Hörern immer noch als Manko betrachtet wird. Ich kann für uns alle sprechen, wenn ich sage: „Wir scheißen da drauf!“ Nenn uns MetalCore, wenn du Lust hast, oder nenn uns Metal. Wir sind MYRA. Wir scheißen auf Trends und machen seit Jahren die Musik, auf die wir Lust haben. Eine ganz ehrliche Sache eigentlich. Ich denke, das hört man der neuen Platte auch an.“ Was der Gitarrist formuliert, hat weniger mit Selbstbewusstsein als vielmehr mit der richtigen Motivation und den Glauben an die eigenen Stärken zu tun:

„Ich denke, es ist enorm wichtig, 100%ig hinter der eigenen Musik zu stehen. Das ist bei uns der Fall. Wir identifizieren uns mit unserer Musik wirklich vorbehaltlos. Gleichzeitig sind wir auf das bisher Erreichte stolz. Das führt schon dazu, dass man selbstbewusst auftritt, wenn man Shows mit „älteren Haudegen“ spielt. Das steht manchmal nicht im Verhältnis zu dem, was weltweit erfolgreiche Bands auf die Beine gestellt haben, gibt einem persönlich aber ein gutes Gefühl. Es geht schließlich nicht darum, irgendetwas zu verkaufen, sondern sich den Zuschauern als ehrliche und leidenschaftliche Band zu präsentieren. Dass wie eine Menge Spaß haben, ist dabei sicher. Wenn dann noch der Funke zum Publikum überspringt, ist das Ganze noch cooler. Als Höhepunkt ist diesbezüglich das 16. With Full Force Festival 2009 hängen geblieben, bei dem wir den Hardbowl eröffnen durften. Das war unsere bis dato größte Show und ein unbeschreibliches Gefühl. Die Reaktionen waren überragend. Mit solch einem Response hatten wir niemals gerechnet. Das wird uns immer in Erinnerung bleiben.“ MYRA haben ihren Platz im Spannungsfeld zwischen Melodic Death, Heavy Rock, MetalCore und Hardcore gefunden und bleiben sich auf „Godspeed“ stilistisch treu. Textlich zeigen sich die Sachsen in bester HC-Tradition wiederum kritisch aufgestellt:

„Die politische und sozialkritische Stellungnahme spielt im Hardcore eine wesentlich größere Rolle, als das im Metal der Fall ist,“ äußert sich Ron. „Ein Grund dafür ist ganz klar die textliche Ausrichtung der Songs vor einem sozialkritischen Hintergrund und die Motivation, seiner Umwelt eine Message mit auf den Weg zu geben und Hörer zum Denken anzuregen. In dieser Hinsicht stehen wir voll und ganz zu unseren Hardcore-Background. Leider sieht man in der gegenwärtigen Metal-/Hardcore-Szene, von Metalcore bis Deathcore, dass die Entwicklung immer mehr zu inhaltsloser, leicht zu konsumierender Musik ohne Message geht. Was mir spontan


dazu einfällt: Was will uns der Dichter mit „bree bree“ eigentlich sagen? Letztlich haben wir es bei den Hörern mit Individuen zu tun, die sich nicht ohne Weiteres in Schubladen wie „unpolitisch“ oder „uninteressiert“ stecken lassen. Deshalb sollte man als Band stets eine Mischung im Programm haben. Musik und Message gehören für MYRA zusammen. Das war schon immer so – vom Metal zum Metalcore zum Hardcore und zum Punk. Allerdings ist „Godspeed“ in erster Linie eine sehr persönliche Platte. Wir haben in den letzten Jahren sowohl als Band als auch privat sehr viel erlebt und durch die Band die Möglichkeit, dies mit unseren Hörern zu teilen. Wer sich darauf einlässt, reist mit uns von tief sitzender Verzweiflung zu neuer Stärke, von Wut zu innerer Ruhe und von Zerrissenheit zu Harmonie. Wir haben versucht, die neue Platte textlich ebenso facettenreich zu gestalten wie auch unsere Musik facettenreich ist. Texte und Musik bilden eine Einheit.“ Blickt man auf die einzelnen Songtitel, hätte fast jeder von ihnen auch das Album-Cover zieren können. Am Ende fiel die Wahl auf „Godspeed“: „Das bedeutet soviel wie „gute Reise“,“ so Ron. „Keiner von uns weiß, wohin die Reise geht und was das Leben für ihn bereit hält. Auch für uns haben sich im letzten Jahr viele Dinge verändert. Wir alle haben persönliche Hoch- und Tiefpunkte erlebt, die uns geprägt haben. All das haben wir in die Platte gepackt, die für uns einen Lebensabschnitt beschließt. Dabei sind die Songs abwechslungsreich ausgefallen, wesentlich stärker als bei „The Venom It Drips“. Von Aggression und Euphorie bis hin zu Melancholie und Niedergeschlagenheit lassen sich in den Songs konträre Stimmungen heraushören. Man sollte sich einfach auf die „Reise“ begeben. „Godspeed“ selbst ist das Instrumentalstück der Platte und man könnte sagen, dass es von seiner Stimmung her symbolhaft für die ganze Platte steht.“

Dem Gitarrist zufolge war es für MYRA nicht schwer, ihr zweites Album zu schreiben: „Beim Songwriting gab es keinen direkten Fahrplan, nach dem wir uns gerichtet hätten. Alles kam intuitiv und aus dem Bauch heraus. Am Ende stellten wir dann fest, dass die Songs einen melancholischen und düsteren Touch haben. Das haben wir anfänglich nicht erwartet. Viele Ideen und Sounds sind aber auch erst spät im Studio entstanden. Mit Disillusion-Mastermind Andy Schmidt an den Reglern hatten wir einen wirklich guten Partner, was man der Platte auch anhört. Ich denke, dass es uns gelungen ist, ein stimmiges Album aufzunehmen. Mit ,Memento’ ist auch wieder ein Song dabei, der eine Überraschung bereit hält. Mehr möchte ich dazu allerdings noch nicht verraten.“ Nico von War From A Harlots Mouth und ex-The Ocean tritt zudem in einem der Stücke, ,Phobia’, als Gast-Shouter auf. Als gedanklich verwandte Referenzen gilt es im Fall von MYRA allerdings Gruppen wie Darkest Hour, Himsa, Heaven Shall Burn und Hatesphere zu nennen. Was die Leipziger treiben, bringt der Titel ihres viertes Songs auf den Punkt: ,Three Cheers For Dedication’.

 
 Links:
  myspace.com/myrametal
 
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