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Nesseria

Storie von: arne, am 24.05.2010 ]

Das Cover der selbstbetitelten Debüt-Scheibe von NESSERIA aus Zentralfrankreich ziert eine zerstörte, herunter gekommene Großstadt-Kulisse, vor der sich zwei Bestien einen Kampf auf Leben und Tod liefern. Die Szenerie wirkt düster, bedrohlich und destruktiv. Zum Sound der Band aus Orleans finden sich viele Parallelen. Es dürfte mehr als nur ein Zufall sein, dass Artwork, Musik und Texte so gut zusammen passen. Das Quintett besteht seit sechs Jahren und hat in dieser Spanne zu einem Stil gefunden, der gleichsam rabiat und brutal wie intensiv und leidenschaftlich ist.

 
„Was wir musikalisch ausleben, begleitet uns schon unser ganzes Leben lang,“ erläutert Bassist Julien die Hintergünde. „Schon bevor wir eine Band wurden, verbrachten wir unsere Zeit zusammen. Das fing zu Schulzeiten an, wo wir uns gegen die Streber verbündeten und gemeinsam Unsinn anstellten. Heute richten wir uns als Band gegen das, was aus den Strebern geworden ist und gegen unser Umfeld. Wir sind Außenseiter, und wir sind wütend. Das treibt uns an und ist die Grundlage unserer Musik.“ Zwischen Noise, Mathcore, Grindcore, Metal und Post-Hardcore finden NESSERIA ihre Spielwiese, auf der sie sich rücksichtslos und verfrickelt austoben:

„Wir selbst sind schnell gelangweilt. Aus diesem Grund achten wir darauf, uns niemals zu wiederholen und immer wieder etwas Anderes zu machen. Das hilft dabei, sich nicht in Routinen zu verlieren und damit immer ein Stück weit neben den Sterotypen zu bleiben, mit denen wir uns nicht anfreunden können. Zu viele Bands begnügen sich damit, das zu spielen, was schon hundert Gruppen vor ihnen gemacht haben. Uns ist das zu wenig. Wenn wir den Punkt erreichen, an dem uns die Ideen ausgehen, lösen wir uns lieber auf, anstatt uns selbst zu langweilen.“ Der Fünfer ist bestrebt, ein verbreaktes, kompromissloses Sound-Bild eigener Prägung zu erstellen: „Es geht uns nicht darum, irgendwen zu beeindrucken, jedenfalls nicht mit krasser Technik,“ so Julien. „Die Leute, die diese ganzen abgefahrenen Sachen spielen sind für mich so etwas wie die „gelehrigen Schüler des Metals“, die nichts Besseres zu tun haben, als zu proben und gleich wieder zu proben, bis sie dann besser als ihre Lehrer sind. Dieses Strebertum liegt uns nicht. Für uns stehen Leidenschaft, Aggression und Intensität im Vordergrund. Diese Aspekte stimmig miteinander zu verbinden und einen krachigen, massiven Sound aus ihnen zu formen, ist die wirkliche Aufgabe. Technik ist nur Mittel zum Zweck. Deshalb ist mir auch das letzte Stück der Platte, ,Les filles de Die


’ so wichtig, das sich von den übrigen deutlich unterscheidet. Es ist aus voller Absicht zähflüssiger und repetitiver und entwickelt sich ohne den Einsatz von Double Bass und Geschrei. Zukünftig wollen wir häufiger solch dunkle und intensive Songs schreiben. Die Arbeit für das Debüt hat uns in dieser Beziehung viel genützt. Zum ersten Mal waren wir gezwungen, ein Dutzend Lieder innerhalb kurzer Zeit zu schreiben. Wir mussten uns darüber klar werden, was wir eigentlich wollen. Das hat unseren Blick fokussiert und unseren Sound definiert.“

Das Debüt gleicht einer intensiven Abrissbirne, die ohne Vorwarnung hart zulangt. Der Sound von NESSERIA ist dabei das Ergebnis seiner Entstehungsgeschichte: „Wir haben vor allem nachts gearbeitet,“ äußert sich der Bassist. „Ich persönlich ging in meinem Privatleben zeitgleich durch eine schwierige Phase. Der Raum, in dem wir probten, glich einer Gefängniszelle und war sehr spartanisch eingerichtet. Ich schlief sogar dort, weil ich aus meiner Wohnung geflogen war. Auch sonst lief nichts wie geplant. Den ersten Studio-Termin mussten wir absagen, weil unser Drummer schwer erkrankte und ins Krankenhaus eingeliefert; dort einen Monat lang behandelt wurde. Es kam Vieles zusammen, was im Ergebnis zu diesem düsteren und wütenden Album geführt hat. Das einzig wirklich Geplante war es, intensiv, kontrastreich und dennoch hörbar zu bleiben.“

Partiell gelingt es NESSERIA sogar, zu überraschen, was Julien zufolge gewollt ist: „Wir sind nicht so vermessen, zu sagen, wir wären nicht von anderen Gruppen beeinflusst, oder dass wir etwas völlig Eigenständiges machen. Unser Anspruch ist es jedoch, über das Erwartbare hinaus zu gehen und die Leute zu überraschen. Nur dann kann es passieren, dass man wirklich etwas Neues erschafft, dass es vorher nicht gegeben hat. Es bleibt jedoch nur Wenigen vorbehalten, so etwas zu erreichen. Wir sind vorerst schon zufrieden, wenn sich Leute mit uns beschäftigen und uns eine Chance geben.“

 
 Links:
  myspace.com/nesseria
 
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