Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1648

As I Lay Dying

Storie von: arne, am 10.05.2010 ]

Die Modern-Metaller AS I LAY DYING haben sich im Laufe ihres Bestehens von einem leicht chaotischen Haufen hin zu einer professionell argierenden Kapelle entwickelt, die weltweit Erfolge feiert. Die Texaner gelten als eine der führenden Kräfte im amerikanischen Melodic-Metal(Core), wissen um ihre Position und wollen sie gegenüber der starken Konkurrenz verteidigen. Mit ihrem neuen Longplayer „The Powerless Rise“ treten die Musiker den Beweis an, das weiterhin mit ihnen zu rechnen ist. Das Motto dabei lautet Evolution statt Revolution. Das Quintett spielt seine Stärken konsequent aus.

 
„Neben der harten Arbeit haben wir auch eine Menge Glück gehabt, es so weit zu bringen,“ äußert sich Gitarrist Nick Hipa. „Man kann noch so gut sein, doch ohne die Schicksalsfügung, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, geht es nicht. Das ist gewissermaßen die Kür, wenn man seine Hausaufgaben schon gemacht hat. Wir widmen uns allen Aspekten, die die Band berühren, mit aufmerksamer Hingabe und führen auch die kleinsten Details bis zur Exzellenz. Ein gehobenes Bewusstsein und musikalische Einzigartigkeit sind jedoch keine Garantie dafür, dass die Leute auf einen anspringen. Viele der von uns favorisierten Gruppen haben nie die Aufmerksamkeit erfahren, die ihnen zusteht, ohne das die Gründe dafür offensichtlich sind. Wir hingegen befinden uns in der glücklichen Lage, breite Beachtung zu finden. Dafür sind wir dankbar, doch wir nehmen es keinesfalls als selbstverständlich. Aus diesem Grund spüren wir unseren Fans gegenüber die Verpflichtung, uns immer weiter zu entwickeln und als Band qualitativ zu wachsen. Persönliches Perfektionsstreben und Verantwortung gegenüber den Fans sind die Triebfedern, die uns antreiben.“

Musikalisch stehen AS I LAY DYING synonym für die stimmige und treffsichere Verbindung von melodischer Hymnenorientierung mit satter Härte. Ausgehend aus der MetalCore-Sparte haben sich die Texaner bis heute zu einem stilechten Modern-Metal-Act gemausert: „Mit dem Begriff MetalCore hat man zunächst ein Genre abgesteckt, in dem Bands versucht haben, andere, neue Ausdrucksformen in der Welt des Heavy Metals zu finden,“ so Nick. „Aktuell stagniert dieser Sound jedoch. Die Bands der ersten Welle haben den technischen Anspruch und die melodische Tendenzen des Metals mit der ungestümen Aggression des Hardcore verbunden und etwas erschaffen, das es zuvor nicht gegeben hat. Wie in jeder Spielart gab es schnell viele Gruppen, von denen einige gut und inspiriert und andere schlecht und langweilig waren. Mir scheint es so zu sein, als hätten die schlechten Bands, die offensichtlich nur das kopierten, was die Innovatoren trieben, irgendwann aufgegeben. In der Wahrnehmung der Hörer prägen sie allerdings bis heute das, was unter MetalCore verstanden wird. Das ist schade und beraubt die guten Gruppen, die durchgehalten und sich beständig verbessert haben, um Chancen. Diejenigen, die heute noch immer aktiv sind, belegen, dass sie über Substanz und Leidenschaft verfügen und diesen Stil aus den richtigen Gründen spielen. Sie richten sich nicht nach Trends, sondern nach dem, was sie mögen. Ob AS I LAY DYING in den Kontext des MetalCores fallen, ist von der subjektiven Wahrnehmung der Hörer abhängig. Es gibt nachvollziehbare Gründe, uns mit dem Terminus zu belegen. Wir sind aber weder die erste noch die letzte Band, die einen solchen Sound spielt. Doch egal, was wir tun, wir bringen uns stets voll und ganz ein und streben danach, immer besser zu werden. Das hat uns geholfen, einen eigenständigen Stil und Beachtung zu finden. Wir lieben, was wir tun, und stehen zu unseren Wurzeln. Über die stilistische Weiterentwicklung, die wir in den letzten Jahren genommen haben, freuen wir uns. Wie auch über die Tatsache, dass es viele Hörer gibt, die uns die Treue halten, unabhängig davon, was gerade angesagt und populär ist.“

Die Kraft des Metals

Der Gitarrist selbst hat mit Core dabei weniger zu tun, als man denken könnte: „Metal hat mein Leben bestimmt, seit ich ihn als kleiner Junge für mich entdeckt habe. Ich sehe keinen Grund, warum das nicht bis ins Alter so bleiben sollte. Zwischen einzelnen Sub-Szenen separiere ich dabei nicht. Ich versuche, aktuell informiert zu bleiben, indem ich Metal-Magazine und Websites lese und die Gruppen anteste, über die gesprochen wird und die von den Leuten abgefeiert werden oder von denen Freunde erzählen. Es verhält sich aber meistens so, dass 95 Prozent dessen, was auf den Markt kommt, nicht das ist, was mich interessiert und nicht click macht. Das hat sicherlich damit zu tun, dass ich ein gewisses Alter erreicht und schon viele Gruppen gesehen und gehört habe. Bands müssen wirklich etwas leisten, um mich zu beeindrucken. Deshalb suche ich beständig nach neuem Input, beschäftge mich aber nur selten intensiv mit einzelnen Künstlern. Was insgesamt Eindruck auf mich ausübt, sind das qualitative Level, das den aktuellen Veröffentlichungen im Extrem-Metal gemein ist, und die technische Virtuosität, die viele Bands erreichen. Es ist schon verrückt, wenn man das mit dem Standard von vor wenigen Jahren vergleicht. Gerade als Musiker ist es toll, zu hören, was Kollegen alles auf die Beine stellen und auf ihren Instrumenten treiben. Die Fokussierung auf Komplexität und Brutalität hat jedoch zu häufig die Folge, das Emotionen und Songwriting ins Hintertreffen geraten, was nicht passieren darf. Beides muss zusammen kommen. Das haben viele der jüngeren Bands noch nicht erkannt, so dass mich ihre Alben am Ende doch nicht ansprechen. Als Jugendlicher, der Metal-Platten abfeierte, habe ich mich gerade von Stimmungen und Atmosphären mitreißen lassen. Bands standen für gewisse Sounds und Gefühle, mit denen man sich identifizieren konnte. Metal hat die Kraft, Hörer im Innersten anzusprechen, deshalb liebe ich ihn. Mit AS I LAY DYING streben wir deshalb danach, Technik und Soundfluss stimmig zusammen zu bringen und die Leute zu bewegen. In der letzten Zeit scheinen sich wieder vermehrt Gruppen auf diesen Ansatz zu besinnen. Es ist der richtige Weg.“ Nick bleibt aber auch auf dem Laufenden, was bei den großen Institutionen passiert, ist leidenschaftlicher Fan geblieben: „Ich sauge nach wie vor alles begierig auf, was die großen Vordenker des Metals veröffentlichen. Mit ihnen bin ich groß geworden und sie geben mir auch heute noch viel. „Endgame“ von Megadeth habe ich mir beispielsweise direkt an dem Tag gekauft, als dem es erschienen ist. Oder als Heaven And Hell in unserer Stadt gastierten, bin ich natürlich zu ihrer Show gegangen. Beide Male war ich überwältigt.“

US-Kombos bevorzugt

Mit „The Powerless Rise“ bringen die Texaner ein Album auf den Markt,


von dem ihre Fans begeistert – und wohl auch überwältigt – sein werden. AS I LAY DYING setzen fort, was sie von den großen Metal-Helden gelernt haben. Das veränderte Umfeld und die jugendliche Ungeduld führen dabei zu modern-melodischen Sounds, die dem Gitarrist zufolge auf klar definierten Ansprüchen basieren: „Meiner Ansicht nach muss sich jede Band darüber klar sein, wie sie klingen will. Die Vision muss am Anfang stehen und bildet die Grundlage dafür, den eigenen Sound zunächst zu definieren und dann zu akzentuieren. Mehr braucht es gar nicht, doch eine Vision zu haben, ist ja schon schwierig genug. Hart arbeiten muss man natürlich auch. Die Entwicklungen, die viele meiner Lieblingsbands im Zeitverlauf durchlaufen haben, lassen in vielen Fällen kaum mehr auf die Ursprünge schließen. Entlang des Weges verbinden sich die Elemente unterschiedlichster Stilarten und Musik-Genres und kreieren einen eigenen Touch und Sound. Bands wie Opeth oder Daath können beispielsweise schreiben, was sie wollen, und dennoch kommen sie stets interessant, eigen klingend und wiederkennbar daher.“ Worauf Nick ebenfalls achtet, ist das gesamte Erscheinungsbild, von dem die Musik nur ein – wenn auch wesentlicher – Teil ist: „Das 13-jährige Kind in mir, das sich das neue Megadeth-Album am Tag seines Erscheinens kauft, freut sich auch über stimmige Artworks und die nicht musikalischen Aspekte einer Band. Schließlich geht es um alle Aspekte des künstlerischen Schaffens, die sich auf unterschiedliche Medien verteilen. Auch hier kann man seinen Anspruch und interessante Ideen einfließen lassen. Gruppen, die ausschließlich auf bekannte Riffs, sinnfreie Texte und schlechte Artworks setzen, langweilen mich. Genauso wie nichtssagende Musik-Videos, von denen es zunehmend viele gibt. Man muss es von einer Band, die man mag, erwarten dürfen, dass sie in allen Belangen verrückte, gute Dinge tut und aus dem Durchschnitt heraus sticht.“ AS I LAY DYING gehen mit gutem Beispiel voran. Nicht zufällig haben sie sich auch in Europa eine treue Fanbasis aufgebaut. Nick ist es dabei fast peinlich, dass US-Bands in der Wertigkeit vieler Hörer per se besser gestellt sind als ihre Kollegen auf der anderen Seite des Atlantiks: „Die europäische Metal-Szene ist meiner Erfahrung nach reger und qualitativ besser als ihr Ruf. Es gibt viele innovative und interessante Bands. Es ist jedoch so, dass amerikanischen Gruppen stärkere Aufmerksamkeit entgegen gebracht wird und sie einen Bonus gewährt bekommen. Woran das liegt, kann ich nicht sagen, doch für US-Bands ist es scheinbar einfacher, auf gute Touren gebucht und von den Leuten angestestet zu werden. Wer in den Staaten für Furore sorgt, findet automatisch auch in Europa seinen Platz, ohne jemals dort gewesen sein zu müssen. Der weltweite Metal-Markt ist zu einem guten Teil durch die amerikanische Szene bestimmt, ob man das nun mag oder nicht. Das hat die negative Folge, das durchschnittlichen US-Bands mitunter bessere Möglichkeiten offen stehen als kreativeren Gruppen, die aus kleinen Ländern stammen. Aus Deutschland schätze ich von den modern eingestellten Gruppen vor allem Neaera, Maroon und Caliban, mit denen wir auch schon getourt sind. Und natürlich The Ocean, die auch großartig sind und allen Support verdienen.“

Stärken stärken

AS I LAY DYING stellen mit „The Powerless Rise“ abermals unter Beweis, das sie den Zuspruch in der Breite verdienen. Offensives Tempo und schiere Brutalität prägen die Strophen, während die Refrains verträglicher und eingängig gehalten sind. Das Songwriting fällt kompakt wie stimmig aus und bietet unterschiedliche Facetten zwischen leicht moshiger MetalCore-Tradition und selbstbewusster Metal-Pose: „Musik ist das, was wir lieben und Ausdruck unserer tief sitzenden Kreativität und grenzenlosen Vorstellungskraft,“ gibt sich Nick bescheiden. „Das Gefühl, wenn man neue Songs oder Alben fertig gestellt hat, ist eines der intensivsten, die ich kenne. Heutzutage ist der Prozess des Songwritings natürlich professioneller gehalten als zu Beginn unserer Karriere. Wir sind unserem Schaffen gegenüber gleichzeitig kritischer eingestellt und haben höhere Erwartungen an die Songs und an uns selbst. Das äußert sich beispielsweise darin, dass wir unglaublich viel Zeit auf die kleinen Details verwenden, die für die Stimmigkeit des Soundbilds so wichtig sind. Das hat sich für uns ausgezahlt. Je mehr Zeit und Anstrengung wir investiert haben, desto besser kamen die Alben bei den Hörern an. Für uns war es der richtige Weg, einen Schritt nach dem anderen zu gehen. Die Entwicklung einer Band muss natürlich und nachvollziehbar sein. Es darf nicht passieren, dass man gekünstelt und unecht wirkt. Dann ist es zu viel des Guten. Diesbezüglich muss jede Band für sich selbst austesten, wie weit sie gehen kann und was funktioniert. Es ist jedenfalls kein sinnvoller Ansatz, nur deshalb etwas Verrücktes zu versuchen, weil man etwas anders machen will. Viel wichtiger ist es, dass die Musiker individuell besser werden und die Gemeinschaft als Einheit wächst. Man muss danach streben, bessere Songs zu schreiben, dabei jedoch auf seine Stärken setzen. Privat hören wir auch viel verträgliche Musik, die nicht Metal ist. Deshalb fangen wir aber noch lange nicht damit an, Alben zu schreiben, die nicht heavy, intensiv und brutal sind.“ Ihrem erprobten Arbeitsprozess bleiben AS I LAY DYING treu, dem technologischen Fortschritt zum Trotz: „Für viele der jüngeren Bands haben die Arbeit mit Laptop und Drum-Computer die aufreibende Arbeit im Proberaum längst abgelöst. Musik zu editieren und das Songwriting transparent zu visualisieren, ist heute unglaublich einfach. Das birgt aber auch Gefahren. Viele Bands programmieren Rhythmen, die ihre Drummer live gar nicht spielen können. Oder sie legen ihren Gitarren-Sound so messerscharf und präzise an, dass sie das live niemals auch nur annähernd reproduzieren können. Uns geht es gar nicht darum, perfekter oder krasser als Andere zu sein. Uns reicht es schon, eine eingespielte Band zu sein, die ihren Weg geht und dabei immer ein bisschen besser wird.“

 
 Links:
  myspace.com/asilaydying
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Avatar
  The Atlas Moth
  Cane Hill
  Cursed Earth
  Good Tiger

Interviews/Stories:

  All Will Know
  Minipony
  Lionheart

Shows:

  12.12. Doro - Regensburg
  12.12. Jo Stockholzer - Wuppertal
  13.12. Jo Stockholzer - Zwickau
  13.12. Peter And The Test Tube Babies - Bremen
  13.12. Mia Aegerter - Frankfurt