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Mantric

Storie von: arne, am 28.04.2010 ]

Die aus Oslo, Norwegen stammenden MANTRIC gilt es schon bald in einem Atemzug mit Heavy-Visionären wie Baroness, Mastodon, Burst, Opeth und Dioramic zu nennen. Das neue Outlet früherer Mitglieder von Extol und Lengsel veröffentlicht mit „The Descent“ seinen ersten Longplayer via Prosthetic Records. Auf diesem findet das Quintett seinen Basis-Sound im dicht-intensiven Metal-Rock, den es um Post-Hardcore- und Indie-Elemente erweitert und entlang einer progressiven und experimentellen Aufstellung entwickelt.

 
Im Gespräch gibt sich Ole Sveen, neben Gesang und Gitarre auch für Violine, Mandoline und Squeezebox verantwortlich, ausgesprochen motiviert und hinsichtlich der Zukunft der Band zuversichtlich: „Aktuell bereiten wir uns intensiv auf die anstehenden Shows vor und proben wie verrückt, um in die richtige Live-Stimmung zu kommen. Man muss bereit sein, wenn man auf die Bühne will, schließlich gilt es, die Leute mit den seinen Qualitäten zu beeindrucken. Dafür muss man eingespielt und heiß sein. Das sind wir, und die Vorfreude auf die Veröffentlichung von „The Descent“ wächst mit jedem Tag. Das quälende Warten auf das Erscheinen dessen, was man bereits Wochen und Monate vorher aufgenommen hat, kennen wir von unseren früheren Bands. Dennoch ist es jedes Mal aufregend und anders. Schließlich will man wissen, wie das Album, in das man so viel Zeit, Energie und Liebe gesteckt hat, bei den Leuten ankommt.“

Die Spuren der Bandgründung reichen zum Split von Extol zurück, wie Ole bestätigt: „Drei von uns sind bei Extol gewesen. Als damals unser Sänger ohne Vorwarnung ausstieg, fühlte es sich nicht richtig an, einfach weiter zu machen und Ersatz zu suchen. Deshalb beschlossen wir, die Band aufzulösen. Ein Teil von uns hat sich entschieden, ein neues Projekt zu starten, aus dem MANTRIC geworden sind. Wichtiger als die Vergangenheit bei Extol ist aber die Tatsache, dass wir Freunde sind, die zusammen Musik machen und auch neben der Band viele gemeinsame Interessen teilen und Zeit miteinander verbringen.“ Kein Wunder, dass die Norweger so stimmig interagieren und solch großartige Sounds erschaffen:

„Es klingt wie ein Klischee, doch das variable Songwriting ist das Spiegelbild unserer diversen und breit gefächerter Einflüsse. Wir hören alle Arten von Musik und geben jedem Künstler eine Chance, sich zu beweisen. Man weiß niemals voher, was einen erwartet, oder ob einen Songs ansprechen. Zeit zu investieren, lohnt aus diesem Grund immer. Häufig wird man gerade dann angenehm überrascht, wenn man es nicht erwartet. Hoffentlich geht es den Hörern mit unserer Platte ähnlich. Mit MANTRIC streben wir danach, unterschiedliche Stile und Ansätze zusammen zu führen und aus ihnen eine Einheit zu formen, die auf Kreativität und einem generellen Ansatz basiert. Der Wunsch, etwas Neues und Eigenes zu erschaffen, kann gefährlich sein, wenn man sich nicht beständig hinterfragt und die eigenen Stücke nicht von Zeit zu Zeit kritisch auf den Prüfstand stellt. Das haben wir getan und tunlichst darauf geachtet, nicht zu viel auf einmal zu versuchen. Die Mischung aus innovativen Ansätzen und geradlinigen Strukturen mit verträglichen Melodien ist uns aus meiner Sicht glänzend gelungen. Tue Madsen hat unsere Absichten sofort verstanden und dem Album einen magischen Mix verpasst.“

Die zwölf Stücke der Platte sind so komplex und geheimnisvoll wie sie


rabiat und bauchgesteuert heavy sind. Die Norweger zimmern bedrohlich anmutende Wall-of-Sounds, die sie niederreißen, um sie direkt wieder aufzubauen. Folkloristische Stil-Elemente und Instrumente erhöhen den Grenzen überschreitenden Touch der Stücke und verstärken ihre Tiefe und ihr Volumen: „Ein Titel wie „The Descent“ suggeriert ein alles andere als positives Bild, doch ich muss dir zustimmen. Etliche der Songs weisen positive Stimmungen auf, insbesondere die instrumental gehaltenen,“ so Ole. „Das war in dieser Form allerdings nicht beabsichtigt und ist zufällig entstanden. Einige der anderen Bandmitglieder haben in ihren Privatleben schwierige Phasen durchgestanden, die sich während der Arbeit an der Platte für sie glücklich lösten. Die Zufriedenheit und die Glücksgefühle scheinen unterschwellig in die Songs mit eingeflossen zu sein.“

Der erste Longplayer von MANTRIC gleicht dennoch einem düsteren Selbstfindungstripp, der seinen Hörern ein Auf und Ab der Gefühle beschert und sie beständig fordert: „Wir haben einen alten Freund dafür gewinnen können, die Synthesizer-Parts und Effekte für das Album einzuspielen. Er ist zu einem großen Teil für den atmosphärischen Gehalt des Albums verantwortlich. Darüber hinaus haben wir ausgiebig mit Sounds, Feedbacks und zusätzlichen Instrumenten experimentiert, von denen ich nicht einmal alle dem Namen nach kannte. Wir haben alles in unserer Macht stehende getan, ein möglichst vielschichtiges und facettenreiches Album zu erschaffen. Rückblickend gibt es zwar immer Dinge, die man anders hätte machen können, doch dann wäre es auch nicht dasselbe Album, das uns jetzt mit Stolz und Zufriedenheit erfüllt.“ Dieses Statement gilt auch für die Lyrics von „The Descent“:

„Die Texte besitzen mehrere Ebenen und sind für Interpretationen offen. Von ihrem Kern her thematisieren sie persönliche Erlebnisse und Sichtweisen. Dennoch sind sie häufig auf einen größeren Kontext übertragbar. Es ist kein Geheimnis, das wir eine Band bekennender Christen sind, die daran glauben, dass der Herr unser Erlöser ist. Dass das für einige Metal-Hörer abstrus klingt und nicht nachvollziehbar ist, nehmen wir in Kauf. Zunächst schreiben wir Musik und Texte ja für uns. Das blinde Verständnis innerhalb einer Band und die geteilte Sicht der Dinge haben dabei so etwas wie einen religiösen Charakter. Der spirituelle Aspekt der Musik ist mir heute ungleich wichtiger, als er es noch vor Jahren gewesen ist. Das zeigt mir, dass ich heute stärker in mir ruhe und mit mir im Reinen bin. So geht es auch den anderen Mitgliedern und das spiegelt sich in unseren Songs wider.“

MANTRIC muss man sich so oder so erarbeiten. Man kann sie nicht einfach nur hören. Die Norweger sind ganzheitlich auspielende Musiker zwischen Rock, Hardcore und Metal, die es bewusst darauf anlegen, es ihren Hörern nicht leicht zu machen.

 
 Links:
  myspace.com/mantricofficial
 
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