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The Ocean

Storie von: arne, am 25.04.2010 ]

Mit ihrem neuen Longplayer „Heliocentric“ läuten THE OCEAN eine neue Phase in ihrer Entwicklung ein. Zunächst gilt es festzuhalten, dass hier eine richtige Band – und nicht länger ein Kollektiv – aufspielt, die ihre Heimat nunmehr im schweizerischen La-Chaux-de-Fonds findet. Das gilt wenigstens für die Mehrheit der festen Mitglieder. Lediglich Kreativkopf Robin Staps pendelt zwischen den „Welten“, lebt noch immer in der hektischen Metropole Berlin. Einen Teil des letzten Jahres verbrachte er jedoch in der Alpenrepublik und werkelte gemeinsam mit den Anderen an der neuen Platte.

 
„Dass die Mitglieder von THE OCEAN nur fertige Songs spielen, ist seit „Heliocentric“ nicht mehr der Fall,“ so Staps. „Zwar habe ich wieder alle Songs geschrieben, doch jeder Einzelne hatte viel Freiheit, seine Parts umzusetzen und sich kreativ zu integrieren. Früher habe ich jede Bass-Line und jedes Drum-Fill vorgegeben. Das mache ich nicht mehr. Auf dem nächsten Album, das im Herbst erscheint, wird es erstmals Songs geben, die nicht von mir stammen. Für dieses Album hat Jona (Gitarre) vier Songs alleine geschrieben. Als ich die zu hören bekam, dachte ich: Das ist großartig. Das ist THE OCEAN. Von daher fällt es mir zunehmend leichter, das kreative Ruder aus der Hand zu geben. Luc (Drums), Louis (Bass), Jona und ich sind während der sechs Monate auf Tour, die wir Anfang 2008 gespielt haben, sehr gute Freunde geworden. Ich habe gemerkt, dass sie unglaublich viel in die Band reinstecken und für sie leben. Da wurde mir klar, dass die Jungs stärker integriert werden müssen. Ich habe mich auch früher nie dagegen gesträubt, hatte nur nie die richtigen Leute, denen ich solche Freiheiten gewähren konnte, ohne die Angst zu haben, dass es am Ende nicht mehr nach THE OCEAN klingt. Jetzt sind wir eine Band.“

Eine benennbare Arbeitsmaxime gibt es aber auch im erweiterten Kreativgefüge nicht, allenfalls eine Anspruchskizze: „Ich schreibe Musik, die irgendwo in mir drin ist, sich periodenartig verflüssigt und ihren Weg nach draußen sucht,“ so Staps. „Es gibt Phasen, in denen das sehr gut klappt und Phasen, wo nicht viel kommt. Das Mysterium der Inspiration durchschaue ich nur teilweise. Für mich persönlich sind Ortswechsel entscheidend. „Precambrian“ habe ich in Australien geschrieben, „Heliocentric“ nun in Spanien. Gerade komme ich aus Afrika zurück und habe schon wieder einen Haufen neuer Ideen. Immer, wenn ich eine Zeit lang von allem Bekannten und Vertrauten weg bin, passiert etwas. Was den Anspruch anbelangt, versuche ich nur, mich selbst, und mittlerweile auch meine Mitmusiker, zufrieden zu stellen. Wir wissen alle ganz gut, wie das funktoniert. Es ist wie in einer sexuellen Beziehung. Man lernt sich gegenseitig kennen und irgendwann kann man den Körper des Partners perfekt bedienen, weiß, was ihm gefällt und was nicht. Bei uns ist das inzwischen ähnlich. Ich kenne Luc's und Jona's musikalische G-Punkte und sie kennen meine. Das ist sehr cool.“ Gemeinsam strebt man nach mehr und nach immer neuen Höhepunkten. Das äußert sich nicht nur musikalisch, sondern auch in der Inszenierung der Konzerte:

„Ich war immer von Bands fasziniert, die live mehr angeboten haben als das bloße Replizieren einer CD-Aufnahme. Neurosis haben früh angefangen, andere Medien auszuschöpfen, um ihre audio-visuelle Vorstellungen live rüberzubringen – von im Metal-Kontext


ungewöhnlichen Instrumenten wie Geige oder Cello bis hin zu Videos zur atmosphärischen Untermalung ihres Schaffens. Kunst ist immer ein spartenübergreifendes Unterfangen. Es geht um die Vermittlug von Emotionen, was sich nicht auf auditive oder visuelle Sinnesreizung beschränkt, sondern Beides umfasst. Wenn wir ins Kino gehen, ist die Musik maßgeblich für den emotionalen Gehalt einer Szene oder eines ganzen Films verantwortlich. Umgekehrt kann man auf einem Konzert Ähnliches mit bewegten Bildern erreichen. Ich habe diese Schnittstellen immer gesucht. Auch innerhalb der Musik gibt es Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Ausdrucksformen und Instrumentierungen. Das macht es spannend für mich.“ Das neue THE OCEAN-Werk ist wiederum spannend für Fans progressiver Rock-Klänge mit einer metallischen Schlagseite. Eruptive Stellen sind eher selten zu vernehmen, doch aufwühlend und kontrastreich fällt auch die neue Platte aus: „„Heliocentric“ ist so kompakt geworden, weil alle Songs innerhalb eines sehr kleinen Zeitfensters und in geographischer Isolation entstanden sind. „Allopatrische Artbildung“ nannte es Darwin. Das gibt es auch beim Songwriting. Das Album stand maßgeblich unter dem Einfluss der Schönheit der Umgebung, in der es geschrieben wurde sowie unter dem einiger weniger Alben, die ich zu dieser Zeit gehört habe; darunter „Ghosts“ von Nine Inch Nails, dessen subtile Schönheit mich damals sehr geprägt hat. Wenn man Musik macht, muss man es für sich selbst spannend halten. Das führt dazu, dass man automatisch immer neue und andere Herausforderungen sucht. In den letzten Monaten und Jahren bin ich von der Maxime abgerückt, möglichst komplexe und vertrackte Musik zu schreiben. Andere machen das mittlerweile besser als ich. Ich höre heute außerdem ganz andere Musik als noch vor ein paar Jahren. Da ist viel mehr cleaner Gesang dabei als Geschrei, und das hat sich dann auch auf mein eigenes Songwriting ausgewirkt. Schon bevor wir unseren neuen Sänger Loic gefunden haben, war mir klar, dass ich einen Sänger haben wollte, der ein breites Stimmspektrum mitbringt und der vor allem eine starke cleane Stimme hat.“

Die Frage nach Henne oder Ei bzw. Konzept oder Musik ist im Falle des neuen THE OCEAN-Albums schnell geklärt: „Beides ist unabhängig voneinander entstanden, hat dann aber schnell zusammen gefunden,“ so Staps. „Ich wollte schon längere Zeit ein Album machen, dessen philspophischer Kern Religionskritik ist. Die Songs für „Heliocentric“ sind in einer Spanne von drei Wochen entstanden. Als sie fertig waren, dachte ich mir: Jetzt oder nie! Dann ging alles ganz schnell.“ Die Auseinandersetzung mit dem kreativen Output der Band verlangt den Hörern indes einiges ab, sowohl an Konzentration und Aufgeschlossenheit als auch an Zeit. Schön.

 
 Links:
  theoceancollective.com/heliocentric
 
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