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Callejon

Storie von: arne, am 06.04.2010 ]

An CALLEJON scheiden sich die Geister. Das eine Lager feiert die Band vorbehaltlos ab, während das andere kein gutes Haar an ihnen lässt. „Videodrom”, der neue Longplayer, entwickelt sich dem entsprechend und bietet neue Reibungspunkte. Dieses Mal sind es nicht die seichten Pop-Balladen, die Unmut erregen könnten, sondern die vordergründig eingesetzten Elektronik-Zusätze und – abermals – die offensive Rockstar-Attitüde.

 
Das Quartett hat in den letzten Jahren einiges durchgemacht. Das Drittwerk ist die musikalische Aufarbeitung der Erlebnisse: „Wenn man eine Sache so lange und so intensiv macht, wie wir, dann hinterlässt das Spuren und nicht nur Bandscheibenvorfälle und Tinnitus,“ sagt Gitarrist Bernhard. „Diese Band bedeutet für uns unglaublich viel. Wir schmeißen dafür alles über den Haufen – unsere Ausbildung, unser Studium, unsere Familienplanung. „Videodrom“ ist mehr als alle anderen CALLEJON-Veröffentlichungen ein Album über Einsamkeit, Wahrheit und Desillusionierung. Wir haben im Zuge dieses Album-Zyklusses sehr viele Erfahrungen gemacht, die uns bestimmte Dinge heute anders sehen lassen. Wir haben gemerkt, dass man sich in Vielem täuschen und sich letztendlich nur auf sich selbst verlassen kann. Dass es niemals einfach wird. Dass man niemals angekommen ist. Dass man immer alles hinterfragen muss, weil es keine eindeutigen Antworten gibt. All das hat uns als Band (das heißt uns verbliebene vier) noch stärker zusammengeschweißt und uns dieses Album machen lassen, für das wir sehr hart gearbeitet haben und in dem sehr viel von unserem Seelenleben kanalisiert ist.“

Die Position des Drummers ist noch immer nicht neu besetzt, doch das Vierergespann ist sich selbst genug, um eine intensive, abgefahrene Scheibe zu schreiben. Ausgeprägtes Selbstbewusstsein und eine natürliche Lockerheit sind dabei zwei der Stärken von CALLEJON: „Unser Maßstab war und ist immer schon unser eigenes Musikempfinden. Natürlich braucht man ein gesundes Maß an Selbstvertrauen, um seine Sache konsequent durchzuziehen. Dass „Videodrom“ vom Klangbild doch unkonventioneller erscheint als zuletzt „Zombieactionhauptquartier“ hat aber weniger mit Selbstvertrauen als mit einer natürlichen Entwicklung zu tun.“ …die vom Streben nach kontinuierlicher Veränderung im Spannungsfeld zwischen Hardcore, Screamo und Metal geprägt ist: „Rein theoretisch haben wir uns in musikalischer Hinsicht keine Grenzen gesetzt,“ bestätigt der Gitarrist. „Trotzdem gibt es einen Kern, einen Grundsound, den wir uns über alle Veröffentlichungen hinweg bewahrt haben. Das liegt einerseits daran, dass wir bestimmte Vorlieben haben, und anderseits daran, dass man sich als Band in der klassischen Besetzung in gewisser Weise von vornherein eingegrenzt hat, wenn man es so negativ ausdrücken will. Auf „Videodrom“ sind zwar auch Synthie- und Elektrosounds zu hören, doch diese Elemente sind zusätzlich zu verstehen und nicht als maßgebliche Bestandteile des Albums. Klar könnten noch viel abgedrehtere, obskurere Klänge dabei herauskommen, wenn wir Songs schreiben. Aber wir experimentieren ja nicht wild drauf los, um irgendetwas Abgefahrenes zu produzieren. Wir wollen gute Musik schreiben. Bestimmte


Dinge würden für diese Band keinen Sinn machen Die deutschen Texte sind für CALLEJON zum Bespiel mittlerweile ein so fester Bestandteil, dass wir gar nicht auf die Idee kämen, daran etwas zu ändern.“

Egal, wie sehr einzelne Songs der Platte auch abdrehen, am Ende fallen sie fast alle auf halbwegs klare Strukturen und eingängige Hooklines zurück: „So etwas ist natürlich kein Zufall. Wir machen uns sehr viele Gedanken um Songstrukturen, versuchen aber auch, die Songs nicht zu vorhersehbar zu gestalten. Musik funktioniert für uns einfach besser, wenn man die einzelnen Bestandteile sinnvoll zusammenfügt, anstatt willkürlich Part an Part zu tackern. Der Songwringprozess läuft bei uns ab wie bei den meisten anderen Bands auch: Buschy und ich haben einige Riffs, die wir mit den anderen zusammenfügen. Außerdem arbeiten Basti und ich gemeinsam viele Ideen aus. Speziell bei „Videodrom“ war es sehr häufig so, dass wir mit Textfragmenten und Themenkomplexen erstmal eine Grundstimmung entworfen haben, die dann weiterentwickelt wurde.“ Die skizzierte Arbeitsweise erklärt den „natürlichen Soundfluss“, den das dritte Album der Band nimmt:

„Auf jeden Fall steckt eine Menge Bauchgefühl in den Songs, gerade im ersten Kreativprozess, wenn wir die Riffs und Melodien schreiben. Wenn der Song sich langsam zusammenfügt, muss man sich von der Stimmung treiben lassen und auf die eigene Intuition vertrauen. Trotzdem setzen wir uns immer kritisch mit den Songs auseinander, denn nicht alles, was man nachts um zwei Uhr mit breitem Schädel im Proberaum fabriziert, findet man am nächsten Tag immer noch gut. Außerdem haben wir vor den eigentlichen Aufnahmen Vorproduktionen von allen Songs gemacht, um uns das Material überhaupt mal anzuhören und ein Bild davon zu machen, was funktioniert und was wir verbessern mussten. Auch im Studio haben wir uns dann die Zeit genommen, verschiedene Sachen auszuprobieren. Wir haben den kreativen Part ein Stück weit mit ins Studio transportiert. Aber auch wenn man ein Album zwei Jahre lang aufnehmen würde: Letztendlich kriegt man es nie so perfekt hin, wie man es gerne haben würde und es passiert immer wieder, dass man sich für etwas entscheidet und drei Wochen später denkt: „War das Andere nicht doch die bessere Alternative?“ Das sind aber nur Kleinigkeiten. Irgendwie wäre es ja auch Scheiße, ein perfektes Album aufzunehmen, denn dann gäbe es keinen Grund mehr, weiter Musik zu machen.“ Wohl wahr.

Hinsichtlich der neuen Scheibe möchte der CALLEJON-Gitarrist dann auch nicht zu lautstark in die Bewerbung gehen: „Da Eigenlob bekanntlich stinkt und Understatement in ist, sollte sich wirklich NIEMAND dieses Album anhören. Davon bekommt Ihr ganz schlimmen Ausschlag, der auch zum Tode führen kann!“

 
 Links:
  myspace.com/callejon
 
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