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Proghma-c

Storie von: arne, am 16.03.2010 ]

Polen hat eine ganze Reihe von Bands hervorgebracht, die für progressiven, Genregrenzen überwindenden Metal stehen. Riverside, Indukti, Antigama und Behemoth sind einige von ihnen. Zukünftig gilt es auch PROGHMA-C mit auf der Rechnung zu haben. Nach achtjährigem Bestehen legen die Musiker aus Danzig mit „Bar-do Travel” ihren Debüt-Longplayer vor.

 
Das Quartett spielt sich durch einen fordernden Mix zwischen Rock, Metal, Prog, Ambient, Jazz-Fusion, der sich in intensiven, atmosphärischen Soundscapes, vertracktem Stakkato und einem übergeordneten Anspruch kanalisiert. Zum Ausklang der Platte erklingt gar ein Cover von Björk’s ,Army Of Me’, das nochmals die Scheuklappen freie Einstellung der Polen widerspiegelt: „Wir sind grenzenlose Optimisten und glauben daran, dass es für die bekannten Stile und Stilmittel noch vielfältige neue Kombinationsmöglichkeiten gibt,” meint Shouter Piotrek (auch The Rack Tripp). „Es ist wie bei Mendeleev’s Periodensystem. Die Elemente sind alle bekannt, doch wenn man neue Verbindungen schafft, entsteht etwas Neues, häufig auch in qualitativer Hinsicht. Wir akzeptieren es nicht, dass die Musik schon erschöpfend erkundet worden sein soll.” PROGHMA-C agieren deshalb als findungsreiche Band, die sich nicht mit gängigen Standards zufrieden gibt:

„Theorie und Praxis müssen ineinander übergehen,” so Drummer Kuman. „Wenn man seine Ideen nicht umsetzen kann, baut man schnell enormes Frustpotenzial auf. Deshalb ist es wichtig, dass jedes Mitglied einer Band sein Instrument beherrscht und mit den anderen auf einem gleichen Level ist. Schließlich kommuniziert man bei den Proben weniger mit Worten als vielmehr mit verrückten Einfällen, die die Anderen dazu inspirieren, ebenfalls etwas Verrücktes zu versuchen. Dabei darf es keine technischen Restriktionen geben, denn wir sind schon zu sehr damit beschäftigt, unseren Egos freien Lauf zu lassen.” Diese Arbeitsskizze erklärt das komplex-abgefahrene Erscheinungbild der Danziger, die zwar auch eingängige, clean besungene Passagen setzen, insgesamt aber schon schwer verdaulich sind: „Für Hörer ist es manchmal schwierig, unsere Songs zu verstehen oder nach zu vollziehen,” äußert sich Shouter Piotrek.

„Wir fragen uns häufig selbst, ob es bei uns nun eigentlich etwas Greifbares oder Konkretes gibt. Der Antrieb, Stücke zu schreiben basiert auf dem geteilten Wunsch, uns selbt auszuleben. Dabei geht es zunächst nur um die Musik und Selbstverwirklichung. Texte und transportierte Überzeugungen kommen erst an zweiter Stelle. Denn auch wenn wir als Einheit musizieren, hat doch jeder von uns eine eigene Einstellung zu Leben, Glauben, Politik, etc. Unsere Message sind die Stimmungen und Emotionen, die unsere Songs hervor rufen. Meine Texte haben eine buddhistische Basis, sind aber nicht ausschließlich an diese gebunden. Symbole und Bilder nutze ich, um existentielle Fragen des Lebens zu stellen. Antworten gebe ich nicht, doch jeder, der sich mit den Texten beschäftigt, dürfte Ansätze finden, die ihn zum Nachdenken anregen. Hier halte ich es mit dem deutschen Pilosophen Gadamer, der sagt, dass alles eine Sprache ist, die ein unendlich breites Feld aufspannt, in dem alle nur denkbaren Interpretationen möglich sind.” Musik und Texte


von PROGHMA-C laufen hinsichtlich ihrer Rezeption in dieselbe Richtung. Sie sind vielschichtig und deutungsoffen: „Der Songwriting-Prozess als solcher ist allein für die Musiker, die sich auprobieren und ausleben wollen,” so Piotrek.

„Das Vorrecht, zu machen, wonach einem ist, muss man annehmen und nutzen. Im Leben gibt es nicht viele Möglichkeiten, selbstbestimmt und ohne Restriktionen agieren zu können. Da ist es toll, die Musik zu haben. Überführt man diesen Ansatz in ein Album-Konzept, ist dieses häufig ebenfalls nur für die involvierten Musiker greifbar. Ich liebe die Platten von The Mars Volta, die für ihre abgefahrenen Konzepte legendär sind. Doch selbst Omar weiß, dass der große Teil der Leute sich nur mit ausgesuchten Songs beschäftigt oder nur diese häufiger hört. Das muss sich aber nicht auf die Musik auswirken. Von den Rezeptionsmustern der Hörer sollte man sich nie leiten lassen, denn man kann nie antizipieren, was ankommt.” Die Auseinandersetzung mit einzelnen Tracks ist auch die Folge eines hektischer gewordenen Umfelds und kürzerer Aufmerksamkeitsspannen der Hörer. Und natürlich der neuen Konsummuster von Musik, die heute zunehmend im Internet passiert: „Dass es gravierende Veränderungen gegeben hat und sich neue Technologien längst breit gemacht hat, ist ein Fakt, den es zu akzeptieren gilt,” bestätigt Sänger Piotrek. „Mike Patton beispielsweise hat sein Peeping Tom-Album produziert, ohne den überwiegenden Teil der Gast-Musiker persönlich getroffen zu haben. Die Stücke hat er mit ihnen via Email und über das Internet ausgetauscht. Mit einem Computer kannst du heute nahezu alles machen. Damit ist Musik weit weniger elitär, und man muss nicht einmal mehr ein Instrument spielen, sofern man den Computer nicht schon als ein solches versteht. Musik kann demnach praktisch jede/r machen. Die negative Seite dieser Entwicklung ist, dass es heute Unmengen schlechter Musik gibt und man vieles ausprobieren und lange suchen muss, um etwas zu finden, das wirklich gelungen und hörenswert ist. Viele der neuen Meisterwerke hätte es früher aber wohl nie gegeben oder man hätte nie von ihnen erfahren.”

Ob das Debüt-Album der Polen das Zeug zu einem Meisterwerk hat, müssen die Hörer entscheiden. Die Musiker selbst sind mit sich im Reinen, wie es Drummer Kuman formuliert: „In einer Band wie PROGHMA-C zu sein, ist herausfordernd, bestätigend und frustrierend zugleich. Es ist ein beständiges Auf und Ab, das durch das Ausräumen von Zweifeln und das Überwinden handwerklicher und kompositorischer Grenzen geprägt ist. Ein Leben ohne die Band möchte ich mir gar nicht vorstellen. Dafür ist alles zu intensiv und zu emotional für mich. Die Veröffentlichung der ersten Platte ist ein wichtiger Schritt für uns gewesen, der uns zusätzliche Motivation gebracht hat. Wir sind ins Rollen gekommen und es sieht so aus, als könne uns nichts aufhalten.”

 
 Links:
  myspace.com/proghmac
 
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