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Juggernaut

Storie von: arne, am 25.01.2010 ]

Die italienischen JUGGERNAUT sind seit drei Jahren als visionäre, Genre übergreifende Massiv-Kombo unterwegs. „…Where Mountains Walk” ist ihr Debüt-Album, das sich irgendwo zwischen Heavy Metal, Post-Hardcore und atmosphärischer Elektronik entwickelt. Die Römer kreieren einen organischen, vielschichtigen und beängstigenden Sound, der alles und nichts zugleich ist und auf starken Gegensatzpaaren basiert.

 
„Das Bild eines schweren Lastzugs symbolisiert treffend, was wir musikalisch erschaffen,“ fasst es Gitarrist Matteo. „Wir teilen die Leidenschaft für hasserfüllte, heftige Sounds, die sich komplex und schwergewichtig entwickeln und beständig voran schreiten, ohne an Druck und Tempo nachzulassen. Darüber hinaus sind wir eine Band, die etwas zu sagen hat, wobei sich die Texte mit persönlichen Dingen beschäftigen. Wenn man große Emotionen in Worte und Musik überführt, muss man das jenseits einfach fassbarer Strukturen und gängiger Konventitionen tun. Unserer Auffassung nach kann man nur dann erfolgreich sein, wenn man sich vollends aufgibt und sein Innerstes nach außen kehrt. Das ist der Ansatz, den wir mit JUGGERNAUT verfolgen. Wir verbinden unterschiedliche Stile miteinander und führen sie in einem dunklen Klangkosmus zusammen.“

Eingängige Melodien treffen auf wuchtige Brachialität, feine Schwelge-Parts auf aggressive Brecher. Die Italiener legen ein fein instrumentiertes und variabel ausgearbeitetes Album vor, dessen Stärke in der Klasse des Songwritings liegt: „Unsere Einflüsse sind offenkundig, wobei wir einen gesunden Kompromiss aus verschiedenen Richtungen bemühen,“ erklärt Bassist Roberto. „Von unseren Wurzeln ausgehend entwickeln wir unsere eigene musikalische Sprache. Jeder von uns hat eine eigene Motivation, Teil der Band zu sein. Indem wir unsere individuellen Gefühle und Antriebe miteinander verbinden, entsteht ein größeres Ganzes, das ungleich intensiver ausfällt. Da wir aus Rom stammen, wäre es nicht passend, wenn wir auf nordeuropäische Metal-Sterilität setzten. Die Unordnung und das Chaos unserer Stadt finden sich bei uns wieder, wie auch die geschichtliche Tradition, die allerorten greifbar ist. Der Geist dessen, was hier vor Jahrhunderten gewesen ist, übt Eindruck auf uns aus. Der Aufstieg und Fall eines Weltreiches ist ebenso ein Teil unseres kreativen Schaffens wie die Vermischung verschiedener Kulturen. Das lässt unseren Sound ein Stück weit einzigartig werden.“

JUGGERNAUT sind metallische Schwergewichte mit Hardcore-Background, die um die Wichtigkeit und Wirkung kontrastreicher Kompositionen wissen: „Wir haben ein besonderes Bewusstsein heraus geblidet, das uns dabei hilft, unsere Songs zu veredeln,“ so Roberto. „Wir wissen, dass schnelle Lösungen niemals die besten sind und man darauf achten muss, wie die einzelnen Song-Passagen miteinander interagieren und wie sie zusammen passen. Jedes Riff und jeder Break zählt, wenn man den Anspruch hegt, miteinander in Verbindung stehende Strukturen zu schaffen. Von der ersten Idee bis hin zur Fertigstellung eines Songs ist es oftmals ein langer Weg, der unvorhersehbare Wendungen nimmt. Das muss man akzeptieren und sein Songwriting dem entsprechend offen halten. Man weiß nie, wo man am Ende ankommt, wenn


man sich selbst herausfordert.“ Gitarrist Matteo führt das Verständnis der Römer weiter aus:

„Mit jeder Band und jedem Song ist man überzeugt, etwas wirklich Cooles geschaffen zu haben. Schon beim nächsten Mal stellt man dann fest, dass es weiter geht, und das Gewesene wirkt alsbald unreif und langweilig. Erfahrung und Verständnis für die Wirkungsweisen von Musik wachsen mit der Zeit und verändern sich ständig. Auch die Art und Weise, wie man seine Songs schreibt. Mit den Jahren wird der Blick breiter und der Anspruch kritischer. Einzelne Stücke verlieren angesichts des Rahmens, den ein ganzes Album darstellt, an Bedeutung. Letztlich hängt alles zusammen und ist ein Teil des Ganzen.“ Dabei ist es wichtig, dass die Dramaturgie stimmt: „Unsere Musik ist für mich der Soundtrack meines Lebens, der kein Ende kennt und immer da ist,“ so Matteo. „Im Grunde arbeiten wir daran, ein gutes Stück zu schreiben, das jedoch niemals fertig sein wird. Deshalb sind wir seit Jahren damit beschäftigt, JUGGERNAUT zu definieren und unsere Vision von Band und Musik umzusetzen. Schwierig wird es dadurch, dass sich unsere Ansprüche permanent verändern, so wie es unsere Lebensumstände tun. In Filmen besteht die Aufgabe der Musik darin, einzelne Szenen zu unterlegen. Unsere Stücke vertonen unseren Alltag.“

Das Umfeld einer hektischen Großstadt, aber auch die Rezeptionsmechanismen der Informationsgesellschaft üben dabei Einfluss auf die Entstehung der Songs aus: „Als Künstler muss man akzeptieren, dass sich viele Leute nur noch oberflächlich mit Musik beschäftigen,“ sagt Bassist Roberto. „Das liegt an der Reizüberflutung und nicht am fehlenden Interesse. Von allen Seiten prasseln so viele Informationen auf den Einzelnen ein, dass man weder alles aufnehmen noch sich mit allem beschäftigen kann. Die Leute sind gewöhnt, nur noch das Wesentliche oder Vereinfachungen aufzunehmen und beschäftigen sich selten mit komplexen Sachverhalten. Die kurzen Aufmerksamkeitsspannen gilt es zu berücksichtigen, wenn man Songs schreibt. Sie erfordern, dass man Ideen verdichtet und effektiv umsetzt. Deshalb gilt es, die Qualität der eigenen Arbeit permanent zu überprüfen.“ JUGGERNAUT haben die nötigen Schlüsse für ihr Songwriting gezogen:

„Als Band leben wir uns so ehrlich und leidenschaftlich wie möglich aus. Dabei versuchen wir, die Spontanität und die Energie der Proben zu nutzen, denn die Songs werden durch sie lebendiger. Dennoch darf man sich nicht ausschließlich auf die Intuition verlassen. Wir setzen ebenfalls auf innovative Elemente und durchforsten die Musik-Geschichte nach Ansätzen, die sich stimmig einbinden lassen und das Klangspektrum erweitern. Unsere Stücke betrachten wir jeweils aus unterschiedlichen Perspektiven, um möglichst ganzheitlich zu agieren und alle Eventualitäten abzubilden.“

 
 Links:
  myspace.com/thejuggernautband
 
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