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These Are They

Storie von: arne, am 04.01.2010 ]

Die beiden Novembers Doom-Kreativköpfe Paul Kuhr (Gesang) und Steve Nicholson (Gitarre) haben mit THESE ARE THEY ein neues Projekt am Start, das „Produktionsreife“ erreicht hat. „Who Linger“ heißt der schwergewichtige Beweis, dass es die Metaller aus Chicago nach wie vor drauf haben.

 
Zu hören ist massiver Death Metal in der Tradition der frühen 90er Jahre, der Größen wie Entombed, Bolt Thrower, Unleashed, Obituary und Dismember huldigt und einen gesunden Kompromiss zwischen direkter Brutalität und walzender Schwere darstellt: „Das ist etwas, was man erst mit den Jahren zu schätzen lernt,“ meint Steve Nicholson. „Ich bin lange genug dabei, um zu wissen, dass die Welt des Metals definiert ist, und man niemanden mehr unvorbereitet überraschen kann. Vom Start weg war es uns dennoch wichtig, die Band nicht einzuschränken; weder zu sehr Doom noch zu sehr Thrash oder zu sehr Death zu sein. Wir haben uns vom Moment inspirieren lassen und sind dem gefolgt, was sich richtig anfühlte. Das ist einer der Gründe dafür, dass „Who Linger“ so variabel ausfällt.“ Da die Musiker gesteigerten Wert auf markige Headbang-Grooves und traditionelle Klänge legen, entwickelt sich der erste Longplayer von THESE ARE THEY als ausgewogener Heavy-Mix:

„Paul und ich sind schon viele Jahre mit diversen Metal-Bands unterwegs. Es geht uns darum, den Hörern aggressive, direkte Songs entgegen zu schleudern, die sie umhauen. Um das zu erreichen, stehen wir niemals still und verändern unsere Anlage stetig, ohne dass die Brutalität der Stücke jemals nachlässt. Als wir mit den Proben und dem Songwriting starteten, war eigentlich nur klar, dass wir uns nicht nur auf eine Metal-Spielart limitieren würden. Weitere Einschränkungen oder Vorgaben hat es nicht gegeben. Wir haben versucht, so viele verschiedene Metal-Stile wie möglich zu streifen. Wir haben angefangen, zusammen zu jammen und sind dem gefolgt, was sich ergeben hat. Im Ergebnis stehen Songs, die Höhen und Tiefen haben und sich auf verschiedenen Schweregraden entwickeln. Wirksame Metal-Tracks müssen starke Wendungen aufweisen und den Hörer auf eine Berg- und Talfahrt mitnehmen. Genau so wollten wir es haben.“ Das Debüt-Album der Band aus Illinois fällt dementsprechend old schoolig aus. Walzende Downtempo-Parts, die stets wuchtige Intensität herauf beschwören, schaffen einen guten Kontrast zum rollenden Tempo, das „Who Linger“ maßgeblich bestimmt:

„Der Herausforderung und dem Wettbewerb mit jungen Musikern und Bands sehe ich gelassen entgegen. Heavy Metal wird immer seinen Platz in den Herzen der Leute haben. Es gibt viele Gleichaltrige, die wie wir um die Vierzig sind und die nach wie vor Metal hören. Mit den modernen Spielarten können sie nicht so viel anfangen. Deshalb schätzen sie Bands wie THESE ARE THEY, die überlegt, hart und eingängig zugleich agieren. Die schnellen, extrem technischen Gruppen mögen im ersten Moment beeindrucken. Nach einer Weile fangen sie jedoch an, zu langweilen, sofern sie nicht auch die nötige Lockerheit mitbringen und auch gute Songwriter sind. Hinsichtlich


der Routine und der relaxten Einstellung sind wir ihnen gegenüber im Vorteil. Wir wissen, was wir tun wollen, und wie wir es tun müssen. Das ist eine gute Ausgangsbasis, über die nicht jede Band verfügt.“ Für den Gitarristen ist das Outlet dabei wichtiger als für seine Mitstreiter: „Die übrigen Mitglieder haben auch noch andere Gruppen am Laufen und verstehen THESE ARE THEY als Projekt. Ich hingegen habe nur diese eine Band, um mich kreativ auszuleben,“ so Steve Nicholson. „Die letzten 14 Jahre bin ich außerhalb der Metal-Szene unterwegs gewesen. Deshalb fühlt es sich so unglaublich befriedigend an, wieder Metal-Songs zu schreiben und mit Metallern zu jammen. Ich genieße jede Sekunde, die wir gemeinsam im Proberaum stehen, an Songs arbeiten oder Shows spielen.“ Das Album „Who Linger“ ist Retrospektive und Ausblick zugleich:

„Die Songs sind über einen langen Zeitraum hinweg entstanden und repräsentieren das erste Kapitel unserer Band-Geschichte. Mit jedem Stück sind wir enger zusammen gewachsen und kamen der Vorstellung dessen, was wir machen wollten, näher. Die wechselnden Mitglieder haben Spuren hinterlassen, wobei wir darauf geachtet haben, dass der überwiegende Teil des Debüts in der Besetzung erarbeitet wurde, die THESE ARE THEY heute ist.“ Fest steht, dass die Band aus Chicago zuallererst eine Death Metal-Kapelle ist. Ihre Aufstellung interpretieren die Musiker jedoch nicht eindimensional, was zu begrüßen ist. In einer bewusst reduzierten, nicht zu klaren Produktion, entwickeln die zehn Stücke von „Who Linger“ eine wuchtige Eigendynamik, die eine gehörige Durchschlagskraft erreicht. Zu hören sind bodenständige, harte Sounds, die intuitiv und mit gutem Groove entwickelt werden und sich von gängigen Trends entkoppeln:

„Ich bin 41 Jahre alt und habe in meiner Zeit als Musiker schon mehrfach miterlebt, dass sich Trends und Vorlieben wiederholen,“ so Nicholson. „Aktuell sind die jungen Gitarristen wieder am Virtuoso-Stil der 80er und Künstlern wie Yngwie Malmsteen, Vinnie Moore und Uli Jon Roth orientiert. Es ist verrückt, dass das wieder hochkommt, denn es ist eine Generation her und hat meine Jugend geprägt. Dasselbe gilt für die verrückten Fusion- und Prog-Arrangements der 70er, die ebenfalls wieder modern sind. Kombiniert man die alten Ideen mit moderner Studio-Technik finden junge Künstler eine gute Basis, sich einen eigenen Sound zu entwickeln, sofern die individuellen Fähigkeiten stimmen. Gegenüber den Originalen haben die Newcomer den Vorteil, dass sie so viele verrückte Sachen gehört haben, mit denen sie die traditionellen Ansätze kombinieren können. Am Ende geht es eigentlich nur noch darum, die sich bietenden Chancen zu nutzen. Oder man nimmt sich bewusst zurück. So, wie wir es mit THESE ARE THEY tun.“

 
 Links:
  myspace.com/thesearetheychicago
 
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