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Unearth

Interview von: Dominik Szelinski mit Buz McGarth, am: 26.12.2009 ]

Mit gefühlten 400 Konzerten pro Jahr und einem immer noch erfolgreichen “The March”, das sich zwischenzeitlich weltweit über 100.000 mal verkauft hat, sind die aus Winthrop in Massachusetts stammenden UNEARTH wohl eine der meistgefragtesten Metalcore-Acts. Alleine in diesem Jahr folgten nach der Erfolgreichen Headliner-Tour im vergangenen Herbst Touren als Support für Testament, eine weitere Headliner-Tour im Sommer und eine Co-Headliner-Tour durch Europa zusammen mit Chimaira, ehe dann mehr als 40 Termine zusammen mit Hatebreed und Cannibal Corpse für die “Decimation of the Nation Tour” gebucht sind. Grund genug also, zusammen mit Buz McGrath (und manchmal auch Ken Susi, der sich einfach niemals raushalten kann und wohl ein wenig traurig war, dass wir ihn nicht zum Gespräch gebeten hatten) zu beleuchten, wie der Tour-Alltag für den Metal-Fünfer aussieht.

 

Musicscan:Es sieht so aus, als seid ihr alle ein wenig geschafft von der Tour. Es stehen nur noch drei Termine für die Tour mit Chimaira an und wie es scheint, ist das Leben “on the road” nicht besonders bequem.

Unearth:Wir haben ungefähr elf Stunden gebraucht, um von der Schweiz nach Köln zu kommen. Die Leute, die für den Tourbus dort bezahlen sollten, hatten nicht gezahlt und so mussten wir einige Stunden dort warten. Und dann war direkt hier auf der Brücke (eine der Rheinbrücken, Anm. d. Verfassers) ein Unfall mit einem LKW, der Gefahrengut transportierte und da haben wir dann nochmal gut 2,5 Stunden herumgesessen.

Musicscan:Das klingt ein wenig so, als würde Euch sowas häufiger passieren.

Unearth:Gewöhnlich reisen wir nachts, da passiert in der Regel nichts. Das ändert sich allerdings komplett, wenn man tagsüber reist. Es ist eben viel mehr Verkehr und man ist schneller mal in etwas involviert, was so auf der Strasse passiert.

Musicscan:Ihr seid wirklich sehr viel unterwegs und alleine mit eurem aktuellen Album “The March” waren es unzählige Shows und Touren. Wie reist ihr als Band, wenn Ihr soviel auf Achse seid?

Unearth:Das hängt immer von der Situation ab. In den Staaten würde ich sagen, benutzen wir zu 70 Prozent einen Bus. Wenn wir Geld verdienen wollen, nehmen wir den Van. Also tauscht man Geld für Komfort sozusagen. Barbecue im Bus ist schon sehr cool, aber der Bus ist eben auch sehr teuer. Häufig beteiligt sich auch eine weitere Band, so dass man die Kosten aufteilen kann.

Musicscan:Und mit wem teilt ihr euch den Bus jetzt gerade?

Unearth:Zur Zeit teilen wir uns den Bus mit Daath. Sie sind großartig.

Musicscan:Ihr tourt mit einer unglaublich durchmischten Auswahl an Bands. Auf der einen Seite sieht man euch unterwegs mit einer Metalband wie Testament und im nächsten Moment tourt ihr zusammen mit den Hardcore-Truppen ala Hatebreed und For The Fallen Dreams. Welche Konstellation funktioniert besser für euch?

Unearth:Die Shows sind unterschiedlich. Ein ist ein komplett anderer Vibe, wenn du auf einer puren Metalshow mit Testament spielst. Wenn Du eine dieser moshigen Hardcore-Shows spielt, ist es irgendwie aktiver. Die Kids sind generell jünger und voller Energie. Alleine optisch ist das also schon sehr viel verrückter. Bei Metalshows wird sehr viel mehr rumgestanden. Gleichzeitig wissen die Leute es zu schätzen, wenn du einen guten Job machst, aber es ist eben schon anders. Natürlich gehen auch viele Metal-Fans gerne in den Pit und schmeissen ihre Körper umher, aber sehr viele sind halt da, um es sich anzuhören. So geht es mir ja selbst, wenn ich auf eine Show gehe. Mein letztes Mal im Pit ist schon einige Jahre her. (lacht)

Musicscan:Was bevorzugst du persönlich, wenn Du auf Tour gehst? Bist Du lieber mit Metalbands unterwegs, oder sind deine Wurzeln dann doch eher beim Hardcore?

Unearth:Wir gründeten die Band eher als Hardcore-Band, also würde ich sagen, liegen unsere Wurzeln dort. Visuell gefällt mir eine solche Show auch besser, wo die Leute einfach komplett durchdrehen. Schau dir zum Beispiel mal eine Sick Of It All -Show an, das ist einfach ein höllisches Chaos. Musikalisch gefällt mir eine Metalshow derzeit etwas besser. Die Musik spricht mich gerade einfach etwas mehr an. So haben bei Seiten ihre Vorzüge.

Musicscan:Gibt es trotz des massiven Tourens noch Momente, in denen du nervös wirst?

Unearth:Ja, manchmal werde ich nervös, wenn es wieder einmal eine dieser total verrückten Shows ist, es keine Barrikaden vor der Bühne gibt und es haufenweise Stagediver gibt. Die Leute stürmen dann auf die Bühne und springen ins Publikum, egal ob dort jemand steht, der sie fängt. Ich mache mir also immer Sorgen, dass sich jemand verletzen könnte. Da stapeln sich manchmal die Leute übereinander und es ist niemand mehr da, der sie auffangen könnte und dennoch springen sie weiter von der Bühne. Sie rennen auf die Bühne, springen runter, rennen wieder auf die Bühne und fallen dabei über die Monitore und reißen Dinge um. In solchen Momenten denke ich mir dann “Woohh, hoffentlich verletzt sich niemand!”.

Musicscan:Macht man sich da auch Sorgen um seine eigene Sicherheit?

Unearth:Eigentlich macht man sich darüber keine Sorgen, wenn man auf die Bühne geht. Aber letzte Nacht zum Beispiel, ist ein Stagediver auf der Bühne gefallen und lag auf dem Boden. Ich habe ihn nicht gesehen und bin fast in ihn gerannt. Sowas kann eben passieren.

Musicscan:Seit ihr denn in der Lage, unterwegs an neuen Ideen zu arbeiten, oder gar neue Songs zu schreiben? Gibt es schon erste Nummern für einen “The March” -Nachfolger, oder liegt das noch alles in ferner Zukunft?

Unearth:Ich wünschte wir könnten, aber gewöhnlich denke ich zu dieser Zeit - also gut ein Jahr, nachdem das Album veröffentlicht wurde - noch nicht ans Schreiben. Für mich muss sich zu einer bestimmten Zeit so ein Gefühl einstellen nach dem Motto: “Okay, es ist wieder Zeit, etwas neues zu schreiben.” Aber so wie es zur Zeit aussieht, gibt es einfach noch garkeine Pläne, was ein neues Album angeht. Es gibt Bands, die unterwegs an neuen Sachen arbeiten können und das finde ich super, aber bei uns funktioniert das einfach nicht.

Musicscan:Wie verläuft das Songwriting dann bei UNEARTH?

Unearth:Wir zeigen uns für gewöhnlich die Riffs, die wir so Zuhause spielen. Bei den Proben sind dann alle da und wir arbeiten dann zusammen weiter daran. Jemand hat einen einen A- Teil und einen B- Teil und jemand anders hat dann einen dazu passenden C -Teil. so läuft das dann. Mit den neuen technischen Möglichkeiten - okay, so neu sind sie auch nicht, aber für mich sind sie noch recht neu - kann ich alles aufnehmen und schonmal verschicken. Dann kommen wir alle fünf zusammen und können direkt daran arbeiten.

Musicscan:Entstehen die neuen Nummern auch zwischen den Touren, wenn ihr nur kurz Zeit habt, ehe es wieder zurück auf die Strasse geht, oder braucht ihr dafür eine deutliche Pause, um wieder Lust auf so etwas zu haben?

Unearth:Ja, derzeit läuft es für uns so, dass wir einfach immer weiter touren und dann für einige Monate alles runterfahren, um an neuem Material zu arbeiten.

Musicscan:Du bist ja gerade kürzlich erst Vater geworden, herzlichen Glückwunsch hierzu. Ich kann mir vorstellen, dass das nochmal eine Extraportion Druck bei dir erzeugt, tatsächlich geld zu verdienen und deine Familie zu ernähren.

Unearth:Es ist zum einen schonmal sehr schwierig, immer unterwegs zu sein, weit weg von deinem Baby und der Frau, die du liebst. Und dann hat es schon noch etwas zusätzlichen Druck erzeugt, sicher zu stellen, dass es deiner Familie gut geht. Aber wir hatten sehr viel Glück, in der Lage zu sein, gerade das zu machen, was wir machen. Ich könnte auch in irgendeinem Job daheim Geld verdienen, aber dann wäre ich auch jeden Tag in der Woche unterwegs und müsste den ganzen Tag arbeiten. Dann würde ich mein Baby auch nicht viel mehr sehen. Und jetzt ist es so, dass ich, wenn ich heim komme, auch wirklich den ganzen Tag da sein kann.

Musicscan:Einige der UNEARTH -Mitglieder haben nebenbei noch andere Projekte. Ken arbeitet nicht nur als Produzent in seinem eigenen Studio, sondern hat auch noch eine andere Band, Burn Your Wishes…

Unearth:(lacht sofort) Ach ja, da zeigt er mir ungefähr alle zwei Monate irgendwas neues und ist total aufgeregt. Ich wusste garnicht mehr, wie diese Band hiess.

Musicscan:…Derek spielte bis vor kurzem noch für Seemless und Du hast gerade erst noch für Lamb Of God an der Gitarre ausgeholfen. Ist das ein zusätzlicher Spass, wenn Ihr zuviel Freizeit habt?

Unearth:So etwas macht man, wenn man sehr viele musikalische Ideen hat. Wenn es zum Beispiel Songs sind, die einfach nicht zu UNEARTH passen würden. Bei Ken ist es zum Beispiel so, dass es einfach raus muss. Meine Arbeit mit Lamb Of God war ein wenig so, als hättest du Sex mit der Freundin deines besten Freundes. Es hat wirklich Spass gemacht, mit einer anderen Band unterwegs zu sein und was echt cool war, war dass wir mit Metallica gespielt haben. Die Shows waren einfach riesig. Wir kennen die Jungs bei Lamb Of God schon ewig und sind sehr gut mit ihnen befreundet, so dass es für mich selbstverständlich war, ihnen auszuhelfen. Für meine Jungs war das in Ordnung, weil wir eh keine Tour in diesem Zeitraum geplant hatten.

Musicscan:Wenn ihr unterwegs seid, habt ihr immer eine Wagenladung an Equipment dabei. Wer kümmert sich um die technische Ausrüstung wie Gitarren und Verstärker? Macht ihr so etwas noch selbst?

Unearth:Ich kümmere mich schon noch selbst um meine Gitarren, aber wenn wir auf Tour sind, haben wir auch immer eine Crew dabei, die uns gerade beim Umbau und so hilft. Bei der ganzen Schlepperei ist es gut, dass du Leute mit dabei hast, die du bezahlst, um diese Arbeit zu machen. Dadruch verdienst du natürlich deutlich weniger, aber dazu kommt auch die Gefahr, dass man sich dabei verletzen könnte. Wenn ich mir also die Hand dabei brechen würde, müsste ich nach Hause und könnte die Konzerte nicht spielen. Dann würde niemand Geld verdienen können.

Musicscan:Welche Massen müssen denn dann für jedes Konzert bewegt werden? Ich kann mir vorstellen, dass ihr schon alleine eine stattliche Anzahl Gitarren dabei habt. Weil wenn mal was kaputt geht, ist es bestimmt nicht immer einfach, schnell Ersatz zu bekommen.

Unearth:Wir bringen eigentlich jeder nur zwei Gitarren mit. Das hat bis dato immer ausgereicht. Und - klopf auf Holz - bis jetzt ist auch noch keine davon kaputt gegangen. Wenn wir in Europa unterwegs sind, ist es ohnehin alles etwas umständlicher, weil du es dann vorher hierhin verschiffen musst. Die Jungs von Chimaira waren da vor ein paar Jahren sehr clever. Sie haben eine Menge Zeug hier eingelagert, das sie jedes Mal benutzen, wenn sie in Europa auf Tour sind. Hoffentlicht können wir sowas in der Zukunft auch einmal machen.

Musicscan:Verrate uns doch bitte zum Abschluss noch, wie sähe für dich das perfekte Tour-Package aus? Ihr seid mit so unglaublich vielen Bands unterwegs, welche müssten definitiv mit dabei sein?

Unearth:Hmm… dabei wären mit Sicherheit Every Time I Die, Madball, Lamb Of God und Killswitch Engage. Das wäre so cool!

 
 Links:
  myspace.com/unearth
 
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