Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1750

Disillusion

Interview von: arne mit Vurtox, am: 11.11.2002 ]

Disillusion aus Leipzig sind in diesem Jahr mächtig durchgestartet. Erst gewann die Band mit ihrem treibenden Death Metal-Sound den Legacy-Contest "Support The Underground" um dann im Februar vom Metal Heart als "Newcomer des Monats" geehrt zu werden. Das Vollzeit-Debüt der Jungs um Sänger Vurtox soll Anfang 2003 über Voice Of Life kommen...

 

Musicscan: Wenn ich Eure Bandbio lese, klingt alles nach einer mächtigen Erfolgsstory. Habt Ihr schon realisiert, was Euch da in diesem Jahr alles widerfahren ist?

Disillusion: Hallo Arne! Registriert haben wir alles wohl schon - aber realisiert wohl weniger - leider natürlich. Dazu ging alles viel zu schnell. Außerdem neigen wir dazu, ständig nach vorn zu schauen; und es gibt immer etwas zu tun, wodurch wenig Zeit zur Selbstbeweihräucherung bleibt. Natürlich sind wir außerordentlich glücklich über die Entwicklungen des letzen Jahres, schließlich dreht sich alles um unser Herzblut - die Musik. Und dass unsere Vorstellungen, Ideen und Pläne so viel Wirbel auslösen, ist schlichtweg wahnsinnig und Balsam für die gebeutelten Musikerseelen.

Musicscan: Mit welchen Erwartungen seid Ihr denn in den Legacy-Contest gegangen? Hat Euch Euer Abschneiden überrascht?

Disillusion: Kurzum, gerade als die THREE NEURON KINGS ep aus dem Presswerk kam, haben wir von der Ankündigung des Legacy Contests gelesen und prompt eine CD hingeschickt. Zu diesem Zeitpunkt kannten vielleicht 10 Leute neben uns die Songs. Es gab noch kein Review, keinen Live Auftritt, nix. Wir hatten keine Ahnung, was geschehen sollte. Also - die Erwartungen waren einfach mal NULL. Umso größer war einige Monate später die Überraschung als wir Nachricht vom Gewinn erhielten.

Musicscan: Wie bewertet Ihr denn vom heutigen Standpunkt aus die "Three Neuron Kings" MCD? So lange ist's ja noch nicht her, aber dennoch...

Disillusion: Es gibt wohl immer etwas zu nörgeln. Dennoch hatten wir bei TNK eine (kleine) musikalische Vision und die haben wir recht gut auf CD gepresst, so dass wir selbst relativ häufig die Cd anhören und noch immer feiern können. Manchmal ist sogar so, dass wir selbst erst später oder gar jetzt begreifen, was wir eigentlich aufgenommen haben und die Details der eigenen Musik teilweise viel später ankommen.

Musicscan: Ihr habt jetzt für eine Menge Aufmerksamkeit gesorgt. Fühlt Ihr Euch nun unter Druck gesetzt ein Hammer-Album abliefern zu müssen? Wie geht Ihr mit dem Druck um, wenn Ihr ihn spürt?

Disillusion: Nun - ja, wir spüren eine gehörige Portion Druck - es wird uns schließlich überall unter die Nase gerieben, dass das kommende Album grandios werden muss. Der meiste Druck kommt am Ende aber von uns selbst - wollen wir doch das gleiche . Es gab einige Monate, in denen wir nicht genau wussten, wie wir wieder zur Ruhe kommen sollten. Nachdem wir relativ schnell nach TNK die THE PORTER Single im März aufgenommen hatten, spürten wir, dass die Album Songs wieder Raum zum Wachsen und Gedeihen brauchen. Deshalb gibt es eine Live Pause bis zu den Aufnahmen (sprich November bis März), die sich jetzt schon auszuzahlen scheint, da wir wieder mit Ruhe und Bedacht arbeiten können. Somit nimmt der Druck langsam wieder ab.

Musicscan: Habt Ihr schon darüber nachgedacht, was Euch zu etwas besonderem macht? Was habt Ihr, was anderen Bands fehlt? Wo liegen Eure Vorzüge?

Disillusion: Wir versuchen ein organisches Ganzes zu erschaffen und in unserem Kleinuniversum eine Brücke zu schlagen zwischen der Musik, dem Visuellen und den Inhalten, sprich den Texten. Das Ganze ist noch umgarnt von einer gewissen tristen Emotionalität. Ergebnis ist dann wohl eine Unabhängigkeit und Eigenständigkeit, auf die wir viel wert legen. Im Grunde muss natürlich der Hörer selbst entscheiden, wo denn unsere Vorzüge genau liegen. Wir nehmen das SongWriting sehr ernst, und versuchen einfach geschickt die Details zusammenzubringen, ohne die Sicht auf den Song zu verlieren, der dann auch beim 20ten Hören neues offenbart.

Musicscan: Was ist denn Euer Background? Darüber war leider nichts zu lesen. Habt Ihr zuvor in anderen Bands gespielt? Habt ihr eine klassische Ausbildung genossen oder Euch das Spielen selbst beigebracht?

Disillusion: Sofern ich weiß, hat niemand von uns wirklich eine Ausbildung genossen - also Autodidakten. Rajk hatte für einige Zeit Musikwissenschaft studiert - das schlägt sich sicher nieder. Wir sind ja auch schon alte Säcke.

Musicscan: Mit welcher Einstellung geht Ihr an die Belange bezgl. der Band? Ist sie so professionell, wie es den Anschein hat?

Disillusion: Nun, wir überlassen recht wenig dem Zufall - das mag man professionell nennen. Jeder von uns hat in regionalen Kapellen gespielt und hat über die Jahre gelernt, dass mit überschaubar wenigen Mitteln schnell mehr erreichbar ist als eine Mugge in Kleinpetersdorf. Mittlerweile riskieren wir ziemlich viel um Disillusion und uns selbst weiterzubringen, schließlich handelt es sich bei der Musik um unser Herzblut, welches jede Sekunde Aufmerksamkeit verdient - auch der Businesskram will erledigt sein... Trotzdem würden wir uns, wenn uns denn jemand fragen würde, am liebsten ausschließlich auf unsere Musik konzentrieren - der Kram drumherum bringt nur begrenzt Freude, und hält im Gegenteil streckenweise enorm auf. Hätten wir die Dinge aber minder ernst angepackt, wären wir heute sicher nicht hier.

Musicscan: Was sollte man über die Leipziger Death-Szene wissen oder das Umfeld, in dem Ihr Euch bewegt?

Disillusion: Sie wächst. Es scheint sich in Leipzig wieder etwas zu bewegen - das merkt man wohl an der Bereitschaft der Veranstalter und an den Veröffentlichungen der Kapellen. Egal wie, es ist und bleibt eine Subkultur und das ist irgendwie gut so.

Musicscan: Wenn man Euch als "DIE Überflieger des Jahres" bezeichnet - wie steht Ihr dazu? Verdient Ihr in Selbsteinschätzung diese Betitelung?

Disillusion: Na, wir freuen uns! Ob diese "Betitelung" vollends verdient ist, ist uns eigentlich gleichgültig - da draußen gibt es eine enorme Zahl guter, und weitaus fähigerer Kapellen als Disillusion. Die Betitelung bezieht sich wohl auch auf das Phoenix-artige Erscheinen Disillusions aus dem Nichts - schließlich sind wir erst seit einem knappen Jahr mit TNK unterwegs und auch für die Presse war alles neu und frisch. Wie gesagt, wir freuen uns, und machen weiter. Spannender werden sowieso die Reaktionen auf das Album. Man hofft natürlich auf ähnlich überschwängliches...

Musicscan: Was kennzeichnet Euren Sound, wenn Ihr ihn auf das Wesentliche runterbrechen müsstet?

Disillusion: Man muss wohl schon 5-6 mal genauer hinhören, worum es sich bei Disillusion am Ende handelt. Die Musik ist komplex, enthält dennoch eine übermäßige Menge an Melodien. Zusammengehalten werden all die verschiedenen Stilistiken und Breaks durch den Gesang, dem wir sehr viel Aufmerksamkeit schenken. Vielleicht handelt es sich um Gesangsorientierten Metal *g , wer weiß. Es gibt aber wohl keine stilistische Bezeichnung, die jeden Song Disillusions unter einen Hut bringt - darauf muss man sich einlassen. Basis des Sounds sind vielleicht Melodic Death und Thrash Metal - die Hauptriffs lassen sich meistens darauf herunterbrechen; alles, was aber dann dazukommt, ist nicht wirklich kategorisierbar - da gibt es dann Folk, Pagan, Jazz und Black Metal Einflüsse, die das Gesamtbild komplettieren.

Musicscan: Wie kam es denn zum Deal mit Voice Of Life? Ihr hattet doch sicherlich eine Menge Anfragen; habt Euch dann aber für VOL entschieden. Warum?

Disillusion: So viele waren es auch nicht *g Wir denken eben, es zahlt sich aus, beim Start Disillusions im Metal Bizz noch ein bisschen die Finger drauf zu haben, wo alles hinsteuert. Voice Of Life gaben uns neben einer gehörigen Portion Enthusiasmus eben dieses Wohlfühl-Gefühl. Die Zusammenarbeit gestaltet sich sehr fruchtbar, nicht zuletzt aufgrund der regionalen Nähe. Wir treffen uns regelmäßig und kaspern die meisten Sachen gemeinsam ab- das tut gut, da dich das Metal Business nicht mit einem Schlag trifft.

Musicscan: Wie bewertet Ihr denn die momentane Death Metal-Szene in Deutschland und wo seht Ihr Euch da selbst positioniert?

Disillusion: Nun, wir versuchen eben unseren Weg zu gehen, der streckenweise frei von Standards ist. Ich bekrittele ein wenig, dass die Metal Welt eigentlich nicht den 154.Dismember Aufguss benötigt, keine 70. In Flames Platte - da ist mehr rauszuholen, da muss man etwas wagen. Vielleicht gibt es in Deutschland insgesamt zu wenig Orientierung an den eigenen Vorstellungen. Der Einfluss deutscher Kapellen auf der internationalen Bühne ist dementsprechend verschwindend gering.

Musicscan: Was ist von Eurem ersten Longplayer zu erwarten? Was ist über die Songs zu wissen, die schon fertig geschrieben sind?

Disillusion: Bis heute sind die ersten 3 Songs fertig, ein vierter bald und der Rest köchelt schon. Auf jeden Fall haben wir tiefer gelotet und geschaut, was besser, emotionaler, direkter usw. geht. Bis heute wirken die ersten Songs etwas aufgeräumter als vorige Veröffentlichungen. Wie sie am Ende auf Platte kommen, ist eine andere Geschichte. Hauptaugenmerk ist aber, dass die gesamte Platte als Einheit funktionieren wird und homogen ist.

Musicscan: Ihr legt ja ein ungeheures Maß an Abwechslung an den Tag - kommt das von ganz alleine oder legt Ihr das bewusst so an? (sowohl vom Vocal-Einsatz her als auch in der Instrumentierung?

Disillusion: Wenn Du meinst, dass wir uns überlegen "hier müsste noch Gefrickel rein ..:", dann nein - das kommt eigentlich von alleine . Zuallererst müssen die Songs für uns über Wochen interessant bleiben - wenn dem nicht so ist, fangen wir von vorn an und basteln; das ist eigentlich (auch wenn es absurd klingt) ein ausschließlich emotionaler Vorgang. Vor kurzem gab es auch einige Vorstöße in klassischere Songaufbauten - das gefiel uns nicht und diese zwei Songs landeten auf der Müllhalde. Speziell für die Vocals gilt immer, dass wir versuchen, die Texte, die auch in Verbindung zur Musik entstehen, mit dem bestmöglichen Ausdruck zu versehen. So entsteht im Lauf der Interpretation Abwechslung und Vielseitigkeit.

Musicscan: Habt Ihr Euch Ziele gesetzt, die mit der Band verwirklichen wollt?

Disillusion: Wir versuchen uns nicht in Illusionen zu verstricken, dass wir von unserer Musik leben könnten, etc. Im Grunde wollen wir mit dem kommenden Alben der nächsten Jahre eine kleine Rolle im der Metal Welt spielen und bestenfalls unsere Visionen vom Metal darbieten. Das reicht eigentlich schon, ist ja auch eine Riesen-Herausforderung.
Vielen Dank für das Intie! Vurtox

 
 Links:
  Voice Of Life- Labelsite
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  As I Lay Dying
  Cult Of Luna
  Despised Icon
  The Menzingers
  Entrails

Interviews/Stories:

  Brutality Will Prevail
  Uzziel
  Carnifex

Shows:

  19.09. Amanda Palmer - Essen
  21.09. Abinchova - Saint Maurice
  22.09. Off With Their Heads - Trier